Mit ungeheurer Wucht: Oskar Holwecks Papier-Arbeiten

Mit ungeheurer Wucht: Oskar Holwecks Papier-Arbeiten

Im Zentrum seines Schaffens stand der Werkstoff Papier. Er riss, schnitt und faltete es zu Kunstwerken. Der Kunstverein Dillingen zeigt im Alten Schloss Arbeiten von Oskar Holweck.

Der 2007 verstorbene Oskar Holweck wäre in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden. Ein Anlass, den hierzulande nur der Kunstverein Dillingen mit einer gut ausgewählten Werkschau würdigt. Holweck prägte nicht nur durch die "Grundlehre" mehrere Künstlergenerationen, die von ihm an der ehemaligen Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk und ihrer Nachfolger bis 1989 unterrichtet wurden; sein eigenes Schaffen, in dessen Zentrum das Papier stand, bleibt unvermindert ein Fixpunkt in der Kunstgeschichte des Landes.

Die Ausstellung, die Vereinsmitglied Wolfgang Birk für den Kunstverein eingerichtet hat, führt von den Arbeiten der 1980er und 1990er Jahre zurück zu den Tuschbildern der 1950er Jahre und verläuft vom Ende zum Beginn. Denn war es doch in den Arbeiten mit fast mannshohen Transparentpapierbahnen so, als dringe Holweck darin regelrecht mit seinem Körper in das Papier ein und gehe darin auf. Zurück bleibt nur die von einem beherzten Bleistiftstrich zerteilte Fläche, in der eine vom darauffallenden Licht und dem leisesten Luftzug aufgestörte Linienfigur als Platzhalter des Künstlers aufscheint. Es ist dieser harte, fast brutale Zugriff auf das Material, der am Ende die zartesten Gebilde schafft. Und es gilt umgekehrt - wenn das Reißen und Falten jedes einzelnen Blattes Papier für sich ein Leichtes ist und doch im Ergebnis als eines von Holwecks Buchobjekten eine ungeheure Wucht konserviert.

Wenn Holweck Papierschichten ablöste und sich daraus ein Relief ergab, war es immer auch Ausdruck seiner Schaffenskraft. Das Falten, Reißen und Schneiden des Papiers, ob nun die legendären von Holweck aufgerauchten Päckchen der Bali-Zigaretten oder einer Zeitungsseite, ob mit der Hand, Messer, Löffelstiel, Pinsel und Stift, brachte eine Schönheit hervor, die in Falten, Grumpeln und Knittern des Papiers steckt. Aus dem Papier Leben geborgen zu haben, bleibt Holwecks Leistung, die in ihrer Konsequenz unübertroffen ist. Das Aufstellen eines mit Tintentropfen betupften Blattes, der Rhythmus der Schläge mit dem Tuschepinsel bezeugen gleichermaßen Wildheit und Formenstrenge und konzentrierten darin eine außerordentliche Künstlerexistenz. Sie hat nichts von ihrer Wirkmächtigkeit verloren.

Bis 14. Dezember. Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr.