Mit üppigem Pinselstrich

Mit üppigem Pinselstrich

Mit magischer Beleuchtung und großem Podiumbau war die Lisdorfer Pfarrkirche gut vorbereitet für Werke von Karol Szymanowski. Ihn im Programmheft als "polnischen Ravel" zu bezeichnen, ist gewagt. Wo Ravel mit feinem Pinsel koloriert, trägt der Pole üppig auf, reizt die Möglichkeiten großer Orchesterbesetzung aus.

Die Kirchenakustik spielte fabelhaft mit.

Das "Orchestre National de Lorraine" unter Chefdirigent Jacques Mercier eröffnete mit einer Konzertouvertüre des 22-Jährigen, bei der "Don Juan" (Richard Strauss ) aus jeder Partiturseite lugte, genial epigonal. "Das Lied von der Nacht", die 3. (Chor-)Sinfonie, verarbeitet den Text eines persischen Mystikers in Affinität des nun 32-Jährigen zur Kultur des Orients und der Antike, farbig und facettenreich. Der Ekstase gaben sich nicht nur das Orchester und Mercier hin, sondern auch der "Seoul Metropolitan Chorus" und Tenor David-Ho Chul Lee. Die kunstvolle Polymelodik und die eigenwilligen Intervall-Konstellationen weiteten sich zu raumfüllender Synthese emotionaler Bewegung und glühender Leidenschaft.

Mit der Vertonung des "Stabat mater" wollte der Komponist keine liturgische, sondern religiöse Musik schaffen. Unter Einbeziehung von Gregorianik, linearer Satztechnik und archaisierender Motive entstand eine "überzeitliche" Aura. Die polnische Übersetzung des lateinischen Textes sollte poetischer sein als das "tote" Latein. Für Saarlouis wurde das lateinische Original gewählt. In großräumigen Abschnitten gab das nun kleinere Orchester dem Chor und drei klangschön vortragenden Solisten (Tae Hee Kim, Sopran; Suna Lee, Alt; Hong Min Kim, Bariton) Raum, um den Blick auf die klagende Mutter Christi zu richten. Mercier gelang es, die Bildhaftigkeit der Musik differenziert zu inszenieren. Ein Höhepunkt der Festspiele.