Missverstandene Basisdemokratie am Hamburger Thalia-Theater

Missverstandene Basisdemokratie am Hamburger Thalia-Theater

Hamburg. Es sollte ein Stück Basisdemokratie auf dem Theater sein. Eine gezielte Hinterfragung eingefahrener Theater-Publikum-Relationen. Ein Stück hippe Vorbildlichkeit

Hamburg. Es sollte ein Stück Basisdemokratie auf dem Theater sein. Eine gezielte Hinterfragung eingefahrener Theater-Publikum-Relationen. Ein Stück hippe Vorbildlichkeit. Vor einer Weile hatte der Dramaturg des Hamburger Thalia-Theaters, Carl Hegemann (Vater der "Axolotl Roadkill"-Autorin Helene Hegemann), die Idee, die Thaliagänger könnten doch über den nächsten Spielplan mit abstimmen und drei der zehn Stücke "demokratisch und geheim" selbst wählen.Was Hegemann, der seinen Intendanten Joachim Lux von seiner Idee überzeugte, nicht bedachte, waren die Wirkungsmechanismen heutiger Netz-Communities. Fangruppen, von denen man nicht weiß, ob sie das Thalia je von innen sahen, pushten bestimmte Stücke - offenbar zum Missfallen der Thalia-Verantwortlichen, die von "harten Brocken" sprechen, die ihnen per Gruppenvoting vor die Tür gelegt wurden. Neben einem Rock-Musical der Metal-Acapella-Band Van Canto ("Peers Heimkehr") auf Platz zwei fiel die Wahl auf Dürrenmatts "Die Ehe des Herrn Mississippi" von 1952 (Platz eins mit 703 Stimmen) und Thornton Wilders "Wir sind noch einmal davongekommen" - zwei tiefem Vergessen anheim gefallene Dramen. So wie Hegemann & Co sich nun winden, spricht wenig dafür, dass eines der drei Stücke auf den Spielplan kommt. cis