Mission Mittelschicht

Mission Mittelschicht

Los Angeles. Zumindest einer der Großen des Kinos will Obama nicht unterstützen: Clint Eastwood bekundet, er werde am 6. November für Mitt Romney stimmen. In Hollywood steht Eastwood damit zwar nicht ganz alleine da, aber die tradionell demokratisch gesinnte US-Filmindustrie unterstützt insgesamt den amtierenden Präsidenten

Los Angeles. Zumindest einer der Großen des Kinos will Obama nicht unterstützen: Clint Eastwood bekundet, er werde am 6. November für Mitt Romney stimmen. In Hollywood steht Eastwood damit zwar nicht ganz alleine da, aber die tradionell demokratisch gesinnte US-Filmindustrie unterstützt insgesamt den amtierenden Präsidenten. Zuletzt schien das finanzielle und persönliche Engagement für ihn etwas zu erlahmen - nahm man Romney, der sich mit linkischen Auftritten des öfteren selbst das Bein stellte, als Gegner nicht ernst genug? Jedenfalls trommelte Hollywood jüngst etwas weniger laut als etwa vor zwölf Jahren, als es um George Bush Junior contra Al Gore ging - da ersang Barbra Streisand geschätzte zehn Millionen Dollar für Gore, die Filmindustrie in Los Angeles war zeitweilig drittgrößter Sponsor der Demokratischen Partei.Bei dem aktuellen Wahlkampf hat der Enthusiasmus, schätzt das Branchenblatt "The Hollywood Reporter", nachgelassen. Zwar erschien im März der 17-minütige Obama-Werbefilm "The road we've traveled", der mit Flaggen in Zeitlupe, weihevoller Musik und der Erzählerstimme des großen US-Integritätssymbols Tom Hanks die erste Amtszeit Obamas verklärte; auch sammelten die rührigsten Hollywood-Aktivisten um George Clooney Millionen für die Wahlkampfkasse. Doch in den vergangenen Wochen sei das Engagement spürbar erlahmt, konstatiert der "Hollywood Reporter" - ist sich aber sicher, dass sich das jetzt sehr schnell ändert: durch Romneys Berufung des stramm konservativen Paul Ryan als Kandidat des Vizepräsidenten-Amts. So wie Ryan mit radikalen Sparplänen, die am wenigesten die Wohlhabenden treffen, den rechten Flügel der Republikaner mobilisiert, so rüttelt er auch die Demokraten wach, nicht zuletzt Hollywood: Lebt die US-Filmindustrie doch gerade von einer Mittelschicht, die sich teure Kinokarten nebst Verpflegung noch leisten kann. Ryans Sparpläne - darunter massive Kürzungen bei der Gesundheitsfürsorge - zielen auf die Geldbörsen (auch) eben dieser Kundschaft.

Im US-Kino sind derweil die Fronten weniger klar: In der aktuell sehr erfolgreichen Komödie "The campaign" tritt ein intriganter Demokrat in North Carolina gegen einen naiven Republikaner an, der von Großindustriellen finanziert wird, die den Bundesstaat nach China (!) verkaufen wollen. Der Wahlkampf steigert sich in eine immer hemmungslosere Schlammschlacht. Über die Qualität und den drastischen Humor der Satire sind sich die Kritiker uneins - aber allesamt haben sie das Gefühl, dass der zunehmend hässliche US-Wahlkampf sich dem Film stetig annähert.

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