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Miserables Zeugnis für deutsche Banken

Brüssel. Die Bundesbürger verlieren nach einer Studie der EU-Kommission durch schlechte Anlageberatung Milliarden. Überdurchschnittlich hohe Kontogebühren kosten sie demnach weiteres Geld Von SZ-Korrespondent Detlef Drewes

Brüssel. Die Bundesbürger verlieren nach einer Studie der EU-Kommission durch schlechte Anlageberatung Milliarden. Überdurchschnittlich hohe Kontogebühren kosten sie demnach weiteres Geld. Einen Tag bevor die EU-Kommission am heutigen Mittwoch ein umfassendes Paket zur Neuordnung des Bankensektors und des Finanzmarktes vorstellen wird, belegte sie mit einer Studie, wie nötig mehr europäische Einheit auf diesem Markt wäre. Demnach zahlt ein Normalkunde 89 Euro bei seiner hiesigen Bank jährlich im Durchschnitt für ein Girokonto. Das ist Platz neun innerhalb der Mitgliedstaaten. Deutlich mehr fordern die italienischen (253 Euro), spanischen (178 Euro) oder französischen Banken (154). Spürbar preiswerter sind dagegen die Institute in Bulgarien (27), den Niederlanden (46) und Belgien (58). Massive Kritik gab es vor allem an der mangelnden Transparenz und Verständlichkeit. Je undurchschaubarer die Gebühren-Systeme, je teurer für die Kunden. Dies führe zu fehlendem Wettbewerbsdruck, da die Verbraucher sich mangels Vergleichbarkeit von Kosten und Abgaben scheuen, die Institute zu wechseln. EU-weit waren es nur neun Prozent, die im Vorjahr von einer Bank zur nächsten gingen, in Deutschland nur sieben Prozent. In den Augen der Kommission eine unverständliche Verhaltensweise, denn von zehn Wechselkunden sparten immerhin neun gegenüber ihrer bisherigen Bank erhebliche Beträge ein. Ein Spitzenwert im europäischen Vergleich.Orientierung erschwert Dabei machen die Geldhäuser es den Konto-Inhabern offenbar sehr schwer, sich genau zu orientieren und Angebote zu vergleichen. Brüssels Tester mussten bei zwei Drittel der untersuchten deutschen Banken Zusatz-Informationen erfragen, um die Konto-Kosten tatsächlich vorliegen zu haben. In zehn Prozent der untersuchten Fälle fehlte die Angabe auf den Internet-Seiten völlig.Besonders heftig fiel die Rüge für die deutsche Anlageberatung aus. Zwischen 50 und 80 Prozent der langfristigen Anlagen werden demnach hierzulande wegen schlechter Beratung vorzeitig beendet. "Dadurch entsteht den Betroffenen ein geschätzter Verlust von 20 bis 30 Milliarden Euro jährlich", sagte EU-Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva. Deren Experten gaben sich zum Test als Sekretärin aus, die 100 000 Euro geerbt hatte und nun nach optimalen Anlageformen suchte. In 24 von 25 Gesprächen sei die Beratung "inadäquat" ausgefallen. Zu oft stünden Berater im Interessenskonflikt zwischen objektiver Empfehlung einerseits sowie Bindung an Provisionen und Boni andererseits, die das Kundeninteresse in den Hintergrund rücken ließen. Die Kommission will die nationalen Ergebnisse an die Aufsichtsbehörden - in Deutschland die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) - weiterleiten, um Schritte einzuleiten.