Milchbauern demonstrieren in Brüssel

Milchbauern demonstrieren in Brüssel

Brüssel. Die Geduld der Milchbauern ist zu Ende: Als gestern die Agrarminister der 27 EU-Mitgliedstaaten in Brüssel über Auswege aus der Krise berieten, kam es vor den Toren zu Auseinandersetzungen. Eier, Kastanien, Gasflaschen und Mistgabeln flogen, der Eingang zum Ratsgebäude musste von Sicherheitskräften geschlossen werden

Brüssel. Die Geduld der Milchbauern ist zu Ende: Als gestern die Agrarminister der 27 EU-Mitgliedstaaten in Brüssel über Auswege aus der Krise berieten, kam es vor den Toren zu Auseinandersetzungen. Eier, Kastanien, Gasflaschen und Mistgabeln flogen, der Eingang zum Ratsgebäude musste von Sicherheitskräften geschlossen werden. "Nur EU-Idioten wollen höhere Quoten" hieß es auf einem Transparent, das die rund 1000 Demonstranten mit ihren 200 Traktoren aufgezogen hatten. Die Wut eskaliert von Mal zu Mal. Auch 50 Landwirte aus dem Saarland waren nach Angaben von Klaus Laub, Sprecher der saarländischen Milchbauern, angereist.Doch ein Ergebnis gab es wieder nicht: Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) mühte sich zwar erneut um mehr Geld für die vom Preisverfall betroffenen Erzeuger. Sie forderte ein "Konjunkturprogramm" für die Landwirte. Doch die scheidende Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer Boel lehnte ab. Der EU-Haushalt sei ausgeschöpft. "Ich wäre glücklich, wenn die Mitgliedstaaten mir weitere fünf Milliarden Euro für den Milchsektor gäben", sagte die Dänin. Um den Markt wenigstens ansatzweise zu stabilisieren, hat Brüssel seit Jahresanfang für rund 600 Millionen Euro überschüssige Milch aufgekauft. Aigner will trotzdem mehr Geld von der EU und spekulierte dabei auf nicht abgerufene Mittel aus anderen Fördertöpfen. Zwar hat die Kommission Deutschland erlaubt, einen eigenen Etat für die Milchbauern aufzulegen, der steht aber erst 2010 mit dann rund 150 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung.Brüssel setzt wie gehabt darauf, die Nachfrage der Bürger nach Milchprodukten anzukurbeln - unter anderem mit Schulmilchprojekten - und die Produktion nicht zu steigern. "Es gibt zarte Zeichen für eine Besserung", resümierte der schwedische Landwirtschaftsminister Eskil Erlandsson, der den EU-Ratsvorsitz innehat. So seien die durchschnittlichen Erlöse je Liter Milch von rund 20 Cent noch vor drei Monaten auf nun 26 Cent gestiegen. Die Bauern brauchen aber 40 Cent, um zu überleben. Während die Agrarminister weiter daran festhalten, die Milchquote 2015 auslaufen zu lassen, wollen 19 der 27 Mitgliedsländer die Position der Milchbauern stärken: So wollen sie ihnen erlauben, sich in Genossenschaften zusammenzuschließen, um gegenüber Molkereien und Einzelhandelsketten kraftvoller auftreten zu können. Die Kommissarin will dies kartellrechtlich prüfen lassen. dr