Merzig, bald Musical-Stadt?

Merzig, bald Musical-Stadt?

Saarbrücken. Am Züricher Opernhaus war Joachim Arnold bis vor kurzem fürs Marketing zuständig. Dass er es versteht, die Werbetrommel zu rühren, beweist der Chef von "Musik & Theater Saar" gerade wieder: Er wirbt schon jetzt für das Musical, das er in der Zeltoper in Merzig im Sommer 2012 "en suite" 50 bis 60 Mal spielen möchte - obwohl das Stück noch nicht feststeht

Saarbrücken. Am Züricher Opernhaus war Joachim Arnold bis vor kurzem fürs Marketing zuständig. Dass er es versteht, die Werbetrommel zu rühren, beweist der Chef von "Musik & Theater Saar" gerade wieder: Er wirbt schon jetzt für das Musical, das er in der Zeltoper in Merzig im Sommer 2012 "en suite" 50 bis 60 Mal spielen möchte - obwohl das Stück noch nicht feststeht. Im Gespräch ist auch eine Produktion von Frank Nimsgern (wir berichteten). Man schaue sich aber auch nach anderen Musicals um, die gut im Merziger Operzelt zu inszenieren wären. Die besondere "Location" solle Publikum im Umkreis von rund 150 Kilometern nach Merzig locken. Auch ganze Busladungen mit Gästen sind Arnold herzlich willkommen. "Wieviel Potenzial der Bustourismus haben kann, hat man im Saarland noch nicht verstanden", moniert er - und will das ändern.

Jetzt, da die Zeltoper abbezahlt sei, wolle man "ein größeres Rad drehen" und sich als Musical-Standort profilieren. Nicht nur die Zeltoper habe ihren eigenen Charme, das gesamte Areal mit dem Wellness-Bad "Das Bad", dem Merziger Hafen, dem Brauhaus und anderen gastronomischen Angeboten und Übernachtungsmöglichkeiten könne man bestens vermarkten, ist sich Arnold sicher. Dafür werde man einen siebenstelligen Betrag in die Hand nehmen müssen. Über die Victor's Hotelgruppe, die an der Zeltoper beteiligt ist, sollen komplette Musical-Reise-Pakete angeboten werden. "Jetzt geht es darum, Partner und Vertriebswege zu finden." Dass auch kleinere charmante Spielstätten erfolgreich sein könnten, zeige zum Beispiel das "Royal Palace"-Theater im kleinen elsässischen Kirrwiller, das mit seiner Revue-Dinner-Show sage und schreibe 200 000 Besucher im Jahr anziehe, führt Arnold an.

Das Programm von "Musik & Theater Saar" für 2011 ist indessen so solide und künstlerisch anspruchsvoll besetzt wie in den Jahren zuvor. Die Kammermusiktage Mettlach (12. Juni bis 28. August) starten in diesem Jahr mit einem Konzert von Julian Steckel (Violoncello), Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs 2010, Daniel Heide (Klavier) und der Violinistin Lena Neudauer, die gerade eine Professur an der Saar-Musikhochschule angetreten hat. "Ich habe sie gebucht, noch bevor bekannt war, dass sie nach Saarbrücken kommt", freut sich Arnold. Viele altbewährte Künstler sind auch 2011 in Mettlach dabei. Im Merziger Zelt wird die Mozart-Oper "Don Giovanni" (5. bis 14. August) gegeben - wieder mit dem Minsk Orchester, das dieses Mal aber mit auf der Bühne sitzen wird und nicht hinter den Kulissen verschwindet.

Das Klassik-Open-Air in Losheim (2. Juli) steht unter dem Motto "Alles Tanz!". Die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern spielt unter der Leitung des Star-Dirigenten Simon Gaudenz, Solisten sind der Pianist Bernd Glemser, Violinistin Mirijam Contzen und Sänger der "Oper im Zelt". Im Übrigen will Joachim Arnold, der seinen Züricher Zweit-Job gegen den Posten des künstlerischen Leiters der Klassik-Sparte im Barockschloss Esterházy im österreichischen Eisenstadt eingetauscht hat, wo er auch für die St. Margarethen-Festspiele zuständig ist, Synergien nutzen: Künstler könnten sowohl in Merzig als auch in Österreich auftreten.