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Kolumne So kann’s gehen
Mein Kaffeesatz spricht

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Uuups! Das war keine Absicht. Aber ich habe nun mal die Angewohnheit, gleich alle Briefe zu öffnen, die im Briefkasten gelandet sind. Und da war auch ein falsch adressierter Brief für eine Frau X, die gar nicht hier im Haus wohnt und die ich auch nicht kenne.

Es war ein Werbebrief von einem Unternehmen, das sich „Questico – Die Welt der Spiritualität“ nennt. Und da bieten Hellseher, Astrologen und Kartenleger ihre Dienste an, „ehrlich, kompetent und einfühlsam“.


Hmmm … wenn die wirklich kompetent hellsichtig sind, wieso haben die nicht schon vorher erkannt, dass der Brief fehlgeleitet wird? Aber vielleicht zieht Frau X ja auch erst nächste Woche hier ein, und die wussten das schon? Vielleicht sollte ich die Werbepost also aufheben … Nein, Moment … gerade habe ich eine Tasse Kaffee getrunken, und ich lese jetzt hier ganz eindeutig im Kaffeesatz: „Angebliche Hellseher sind in Wirklichkeit nur Scharlatane, die an das Geld anderer Menschen wollen. Und Sterne, die in zig Millionen Lichtjahren Entfernung ihre Bahnen ziehen, und die in Wirklichkeit ganz anders zueinander stehen, als wir es hier unten zu sehen glauben, haben auch garantiert nichts mit unserem Schicksal zu tun.“ Tja, sorry, Questico, aber so steht es geschrieben. Der Brief kann also gleich dorthin, wo er hingehört: ins Altpapier. Möglich, dass das Frau X auch eine Stange Geld spart. Eine bekannte deutsche Tageszeitung berichtete jedenfalls von einer 38-Jährigen mit Beziehungs-Kummer, die etwa 38 000 Euro für Gespräche mit der Questico-Schwester Astro TV verbraten hat.

Und falls sich mein Kaffeesatz tatsächlich irren sollte, dann wisst ihr Hellseher ja, wer Frau X ist, und ihr könnt ihr einen neuen Brief schicken.