| 20:11 Uhr

Mehr Profis, mehr Erfolg

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und das Bundesinnenministerium stehen vor einer gewaltigen Aufgabe. Selten war die Einordnung des deutschen Abschneidens bei Olympischen Sommerspielen so diffizil. 42 Medaillen in Rio - das sind zwei weniger als in der offiziellen Zielvorgabe anvisiert. Dafür wurde die Anzahl an Goldmedaillen im Vergleich zu London 2012 von elf auf 17 gesteigert. Da kann doch eigentlich gar nicht alles schlecht sein. Kai Klankert

Ist es auch nicht. Noch nicht. Der DOSB sieht sich aber einer weltweit stärker werdenden Konkurrenz gegenüber, die ihm in deutschen Domänen das Wasser abgräbt. Im Schwimmen ist das längst passiert, im Fechten ebenso. Und es wird nicht mehr lange dauern, da fallen auch die letzten Bastionen wie Schießen oder Kanu. Moritz Fürste , der Kapitän der deutschen Hockey-Nationalmannschaft, diesmal mit Bronze dekoriert, prophezeit für seinen Sport: "Wenn wir so weitermachen, dann wird das deutsche Hockey in zehn Jahren nicht mehr konkurrenzfähig sein. Wir brauchen eine Professionalisierung, wenn wir das nicht hinnehmen wollen."



Die Professionalisierung kann ein Schlüssel zur dauerhaften Konkurrenzfähigkeit sein, doch diese Professionalisierung kostet Geld. Und unweigerlich stellt sich die Frage: Was ist der Bund bereit, für den Spitzensport , für den Erfolg auszugeben? 153 Millionen Euro gibt er derzeit im Jahr. Zu viel? Zu wenig?

Natürlich haben wir größere Probleme in unserem Land. Bildung, Sicherheit, Flüchtlingspolitik - sollten wir nicht eher dafür mehr ausgeben? Wer diese Frage stellt, ignoriert den Stellenwert des Sports, seine Möglichkeiten zur Integration, seine präventive und gesundheitsfördernde Wirkung und seine Fähigkeit, das Land zu begeistern. Leider stellen zu viele Menschen diese Frage. Auch deshalb werden Facebook-Einträge wie der des ehemaligen Schwimmers und Kurzbahn-Weltrekordlers Markus Deibler so kontrovers diskutiert. "In einem Land, in dem ein Olympiasieger 20 000 Euro Prämie bekommt und ein Dschungelkönig 150 000 Euro, sollte sich niemand über fehlende Medaillen wundern", schrieb Deibler dieser Tage. Sicher, das ist ein plakativer Vergleich und keine Grundlage für eine sachliche Analyse. Aber ein Funken Wahrheit steckt drin. Der Sport muss uns mehr wert sein.

Eine höhere Prämie für eine Medaille dürfte kaum helfen. Ein Sportler darf, um erfolgreich sein zu können, sich nicht ständig um seine Existenz oder Zukunft sorgen. Doch außer für die Fußballer, die mit Silber nach Hause kommen, gilt das für die wenigsten. Auch nicht für Medaillengewinner. Deswegen müssen DOSB und Politik eine Lösung finden, die den Leistungssport aufwertet - finanziell. Andernfalls wird sich der (olympische) Abwärtstrend fortsetzen.