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"Mehr für das Saarland werben""Deutschland sollte nicht nur gute Kuckucksuhren bauen"Saarländer sollen mehr Selbstbewusstsein zeigen

Saarbrücken. Jetzt spielen schon Roboter Fußball. So hat das Roboter-Team des Deutschen Zentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) dank der eingebauten Software gerade auf der Hannover Messe Industrie die Europameisterschaften im Robotik-Fußball gewonnen, verkündete DFKI-Chef Wolfgang Wahlster gestern stolz auf dem Kongress "Empower Deutschland - Geniales Saarland" Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

Saarbrücken. Jetzt spielen schon Roboter Fußball. So hat das Roboter-Team des Deutschen Zentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) dank der eingebauten Software gerade auf der Hannover Messe Industrie die Europameisterschaften im Robotik-Fußball gewonnen, verkündete DFKI-Chef Wolfgang Wahlster gestern stolz auf dem Kongress "Empower Deutschland - Geniales Saarland".Was das Saarland davon hat? Die Roboter stimmen ihre Spieltaktik mit Hilfe von "Mini-Agenten-Systemen" ab, einer Software, die es ermöglicht, dass die Roboter miteinander kommunizieren. Entwickelt am DFKI. Nicht nur spielerisch ist die Software interessant, sondern vor allem zu Forschungszwecken und zum Einsatz in Unternehmen wegweisend, wie Klaus Harste vom Saarstahl-Vorstand bestätigt. Er nutzt die vom DFKI entwickelte Software in der Stahlproduktion. Die Software-Agenten schaffen es, zehntausende Kundenaufträge pro Jahr so zu koordinieren, dass diese mit einem einheitlichen Schmelzvorgang bearbeitet werden können. Solche modernen Entwicklungen aus dem Saarland, die auch neue Arbeitsplätze schaffen, gibt es immer häufiger, wie der Kongress verdeutlichte. Dabei stellt sich die saarländische Forschung immer stärker international auf.Ralf Zastrau, Chef der börsennotierten Nanogate AG, hält es für entscheidend, die Forschungs- und Entwicklungs-Institutionen des Saarlandes stärker zu vernetzen und angesichts bisheriger Erfolge, etwa in der Informatik, deutlich mehr international für das Saarland zu werben. Es müsse gelingen, mehr Fachkräfte an die Saar zu locken. Nanogate beschäftigt schon 80 Leute. Auch Edwin Kohl von der Kohlpharma GmbH profitiert von saarländischen Software-Entwicklungen. Sie haben es dem Unternehmen ermöglicht, die 7 x 4 Box zu entwickeln, in der individuell, auf einzelne Patienten abgestimmt, technisch in kürzester Zeit alle Tabletten eingepackt werden, die der Mensch in einer Woche von morgens bis abends braucht. Kohl sieht gute Standortbedingungen an der Saar für Innovationen und Neuentwicklungen. Deshalb stiftet das Unternehmen jetzt einen Lehrstuhl für Management im Gesundheitswesen.Uwe Gackstatter von Bosch in Homburg greift auf Entwicklungen des Fraunhofer Instituts für Zerstörungsfreie Prüfverfahren (IZFP) zurück. So sei es möglich, höchste Präzision der in Homburg hergestellten Diesel-Einspritzpumpen zu garantieren. Auch Christian Boller vom IZFP plädiert für eine engere Verzahnung von Forschung und Unternehmen. Eduard Arzt vom Institut für Neue Materialien (INM) appelliert, genug Platz zu lassen für den "Wolke 7 Effekt", also die Suche nach neuen Ideen in der Forschung. Ministerpräsident Peter Müller verweist darauf, dass alleine in die Initiative "Empower Deutschland - Geniales Saarland" über 500 Fachleute aus Wirtschaft, Forschung und Bildung eingebunden sind. Schon in der kommenden Woche werde an der Saar-Uni unter Beteiligung von intel ein Institut für "Visual Computing" eingerichtet. Ziel der Saar-Forschungs-Strategie müsse es sein, Entwicklungen schneller in Produkte umzusetzen. Das Land werde 110 Millionen Euro für Forschung außerhalb der Universitäten bereitstellen. Aufwendungen für Forschung und Entwicklung müssten steuerlich besser behandelt werden, so Müller. Saarbrücken. "Geh nicht in die Industrie. Wir fliegen zum Mond." Mit diesen Worten warb einst der legendäre Raketen- und Weltraumforscher Wernher von Braun von den USA aus um die Gunst von Jesco von Putkamer (Foto: ddp). Heute ist dieser selbst Nasa-Manager, verantwortlich für die Internationale Raumstation ISS. Putkamer betonte gestern auf dem Kongress "Empower Deutschland - Geniales Saarland", es sei die Freiheit in der Arbeit gewesen, die Möglichkeit, Visionen auszuleben und sie zu greifbaren Ideen zu machen, was ihn besonders gereizt habe. Hier biete die Raumfahrt bis heute einmalige Möglichkeiten als Motor von Innovationen. Ein Land, eine Region mit Mut, Ideen, Visionen und solchen Menschen, die dafür kämpfen, brauche sich keine Sorgen um seine Zukunft zu machen, so Putkamer, der auch Ehrendoktor an der Universität des Saarlandes ist.Putkamer wurmt, das sich Deutschland mit Investitionen und der Beteiligung an der Luftfahrt zu sehr zurückhalte. Die Raumfahrt schaffe viele neue Herausforderungen und Arbeitsplätze für die junge Generation. Deutschland jedoch "baut zwar gute Kuckucksuhren, fährt aber in der Raumfahrt nicht vorne auf der Lokomotive mit". Der Nasa-Manager sieht die Zukunft der Raumfahrt nur noch in einer internationalen Zusammenarbeit. Schon heute stammten die Bauteile der Raumstation ISS aus der ganzen Welt. Nach Meinung von Putkamer ist es technisch möglich, 2030 den Mars zu erreichen. Es werde möglich sein, auf dem Mars genauso zu leben wie auf der Erde, prognostiziert der Nasa-Manager. Eines Tages könne der Mars auch als Ausweichquartier für Erdbewohner genutzt werden, falls es auf der Erde zu Naturkatastrophen kommt. Vorerst werde in weitere Mondmissionen investiert. Das könne man den Regierungen finanziell besser vermitteln, die den Mars noch als sehr weit weg ansehen. Auf dem Mond sollen jeweils vier Mann landen. Das Raumschiff werde so lange automatisch gesteuert. tsSaarbrücken. Peter Gérard wundert sich. Seit einem halben Jahr an der Saar als Vorstandsvorsitzender der IDS Scheer AG, bemerkt er, dass die Saarländer völlig zu Unrecht immer noch zu wenig Selbstbewusstsein hätten. Gérard drückt es auf dem Kongress "Empower Deutschland - Geniales Saarland" mit Humor aus am Beispiel des eigenen Unternehmens. Wenn man ein neues Produkt bei 80 Prozent der Kunden erfolgreich installiert habe, dann könne man es öffentlich ankündigen.Auch Anja Kohl, Börsenexpertin der ARD und Moderatorin des Kongresses, zeigt sich erstaunt. Erst bei der Vorbereitung habe sie bemerkt, welch eine Vielzahl an Forschungs-Institutionen und Innovationen das Saarland auf kleinem Raum vorweisen könne. Das sei herausragend im Vergleich zu anderen Regionen.Volker Giersch will als Hauptgeschäftsführer der IHK dazu beitragen, diese Informations-Defizite außerhalb des Saarlandes zu verringern. Er verweist auf eine in der kommenden Woche startende überregionale Image-Kampagne des Saarlandes unter Federführung der Saarwirtschaft. Wie die Diskussion auf dem Kongress ergab, will das Saarland deutlich mehr Frauen zu Führungspositionen verhelfen. IDS-Vorstand Gérard sieht hier noch Probleme, weil bisher wenige Frauen in der IT-Branche ihre Zukunft sehen. Volker Linneweber, Präsident der Saar-Uni, wirbt deshalb dafür, schon in Schulen mehr Technikbegeisterung zu wecken. Zumal Frauen in Naturwissenschaften exzellente Karrieren machen könnten. Auch Johannes Krämer von der Phast GmbH, die die Qualität von Arzneimitteln in Forschung und Entwicklung prüft, sieht es als Herausforderung an, die Naturwissenschaften zu stärken. Uwe Johmann vom Vorstand der Sparkasse will Existenzgründern professionellere Berater zur Seite stellen, die die Ideen bestmöglich nachvollziehen können. Auch die HTW will nach den Worten von Direktor Wolfgang Cornetz Absolventen mehr ermuntern, sich selbstständig zu machen. Viele seien jedoch so gefragt am Arbeitmarkt, dass sie eine Festanstellung vorziehen. Mathias Dieter von der Hydac sieht Probleme, Fachkräfte an die Saar zu locken. ts