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Berliner Notizen
Mehlwürmer stattKartoffelsuppe

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Kann passieren. Aber irgendwie doof. Gemäß der Geschäftsordnung des Bundestages gab der AfD-Abgeordnete Bernd Baumann jetzt eine Erklärung zu Protokoll. Grund war die namentliche Abstimmung am Donnerstag zum Unions-Gesetzentwurf über die Verlängerung des Familiennachzugs. Baumann teilte mit: „Ich habe versehentlich mit Ja gestimmt. Mein Votum lautet Nein.“ Ja, nein – was gilt denn nun? Abgestimmt ist abgestimmt, sagt die Bundestagsverwaltung. Pech gehabt. Sahra Wagenknecht und die Linksfraktion luden in dieser Woche in ein altes Berliner Stadtbad zum Neujahrsempfang ein. Dank modernster Technik lässt sich das im Jahr 1902 als „Volksbadeanstalt“ am Prenzlauer Berg eröffnete Haus mittlerweile auch für den Party-Betrieb nutzen. Nein, Wagenknecht ging nicht baden, wie sie es gelegentlich schon politisch getan hat. Aber: Wagenknecht hat dort zu DDR-Zeiten das Schwimmen gelernt, wie sie verriet. Und seit dem weiß sie wohl, wie man lange oben bleibt. Bei den Koalitionsverhandlungen ist es zugegangen wie im Dschungelcamp. Als das Entwicklungsministerium Gastgeber war, ließ Staatssekretär Thomas Silberhorn statt Kartoffelsuppe Mehlwürmer und Heuschrecken servieren. Der Geschmack sei „leicht nussig“, meinte Silberhorn. Die Insekten seien aber wegen ihrer Proteine gesund. „Zwei Milliarden Menschen weltweit essen regelmäßig Insekten.“ Wer von den Verhandlern bei der Dschungelprüfung mitgemacht hat, ist nicht überliefert. Von Hagen Strauss


Stell dir vor, eine Ministerin will die neuesten Arbeitslosenzahlen verkünden, und keinen interessiert es. So erging es am Mittwoch der geschäftsführenden Arbeitsministerin Katarina Barley. Nur ein Fotograf hatte sich zu dem Termin „verirrt“, kein Texter, kein TV. Also ließ die SPD-Frau ihren Auftritt kurzerhand platzen. Ihr Sprecher soll gesagt haben, wenn’s keine bewegten Bilder gebe, komme seine Chefin auch nicht. Wirklich vermisst hat Barley aber keiner.