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Massiver Jobabbau bei Whitesell: Hälfte der Belegschaft der Beckinger Schraubenfabrik vor der Entlassung

Im Sommer 2014 hatten Beckinger Whitesell-Beschäftigte in Saarbrücken gegen das Geschäftsgebaren des US-Unternehmers Whitesell demonstriert.
Im Sommer 2014 hatten Beckinger Whitesell-Beschäftigte in Saarbrücken gegen das Geschäftsgebaren des US-Unternehmers Whitesell demonstriert. FOTO: Becker & Bredel
Beckingen. Der Beckinger Schraubenfabrik steht eine Kündigungswelle bevor. Doch es gibt Kaufinteressenten und damit Chancen auf eine Zukunft. Die hängt aber vom früheren Mutterkonzern Whitesell ab, der seine Tochter in die Insolvenz geschickt hat. Volker Meyer zu Tittingdorf

In der Beckinger Schraubenfabrik steht ein massiver Stellenabbau unmittelbar bevor. Wenn das Insolvenzgeld Ende März ausläuft, muss rund die Hälfte der Mitarbeiter gehen. Diese schlechte Nachricht verkündete gestern Biner Bähr, der vorläufige Insolvenzverwalter der Schrauben-Gruppe Whitesell Germany, auf einer Betriebsversammlung, wie Teilnehmer berichteten. "Die Belegschaft ist geschockt", sagte Guido Lesch, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Völklingen. Etwa 175 Beschäftigte würden noch benötigt angesichts einer Auslastung von weniger als 25 Prozent, hieß es. 160 Stellen stünden zur Disposition. Ein Teil der Betroffenen sei aber in Altersteilzeit, andere hätten befristete Verträge. Etwa 120 Mitarbeiter der Stammbelegschaft seien somit von Kündigungen betroffen. Schließlich dürfe der Insolvenzverwalter bei Fortführung des Betriebs keine roten Zahlen schreiben. Details zum Jobbabbau sollen zwischen Bähr und Betriebsrat in der kommenden Woche verhandelt werden. Der Insolvenzverwalter selbst wollte gegenüber unserer Zeitung keine Stellungnahme dazu abgeben.

Bis Ende Juli wolle Bähr sich Zeit nehmen, um einen Investor zu finden. Kaufinteressenten für das Beckinger Werk und die drei Schwesterfabriken in Neuss, Neuwied und Schrozberg mit insgesamt 1300 Mitarbeitern gebe es nach wie vor, wie Bähr gesagt habe. Einige wollten aber nur ein Werk oder einen Teil der Schrauben-Gruppe kaufen.

Ob eine Übernahme zustande kommt, hängt von der früheren Muttergesellschaft Whitesell ab. Die amerikanische Firmengruppe hatte die Werte, die Immobilien und Maschinen ihrer deutschen Tochter, nach Luxemburg ausgelagert. Ein potenzieller Übernehmer braucht die Maschinen und Grundstücke aber zum Weiterbetrieb. Gewerkschafter Lesch rechnet zwar damit, dass die als Heuschrecke verschrieene Whitesell-Gruppe verkaufen will, um noch einen möglichst hohen Profit zu erzielen. Wenn Whitesell sich jedoch verweigere, dann sehe er für die deutschen Standorte schwarz, habe der Insolvenzverwalter gesagt, wie Teilnehmer der Betriebsversammlung berichteten.

Lesch fordert die Gründung einer Auffanggesellschaft, um die Folgen des Stellenabbaus für die Betroffenen abzumildern. Die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD ) sagte Unterstützung zu: "Wir lassen die Beschäftigten nicht allein." Es könnte zur Überbrückung auch eine Transfergesellschaft eingerichtet werden, sagte sie. Voraussetzung sei aber "eine zukunftsfähige Übernahme durch einen neuen Investor". Der Whitesell-Konzern hatte Ende Januar Insolvenz für seine deutsche Tochter angemeldet, gut ein Jahr, nachdem er die Schrauben-Gruppe selbst aus der Insolvenz übernommen hatte. Innerhalb kurzer Zeit hatte die US-Firma die deutschen Werke herabgewirtschaftet und dabei offenbar Geld heraus gezogen.