„Man schaut auf Muslime herab“

„Man schaut auf Muslime herab“

Gerade hat Professor Mouhanad Khorchide, der an der Uni Münster das Zentrum für Islamische Theologie leitet, wieder unter Polizeischutz einen Vortrag halten müssen. Khorchide eckt mit seiner liberalen Koran-Auffassung bei einzelnen muslimischen Verbänden an. In mehreren Büchern vertritt er die These, dass der Koran im historischen Kontext zu lesen ist und der Islam sein traditionelles Herr-Knecht-Denken ablegen muss. Im Gespräch mit SZ-Redakteur Christoph Schreiner erklärt Khorchide Grundzüge des Islam und Probleme mit dem Westen.

An deutschen Unis sind mittlerweile vier Islamzentren etabliert. Sie wurden 2012 von der Bundesregierung auf Anregung des Wissenschaftsrates gegründet (in Tübingen, Frankfurt, Erlangen/Nürnberg und Münster/Osnabrück). Ihr Ziel ist eine Liberalisierung der islamischen Religionspädagogik. Die Zentren bilden in Deutschland tätige Islamlehrer und Imame aus. In Münster sorgen die aufgeklärten Positionen von Professor Mouhanad Khorchide seit längerem für Anstoß unter Islam-Verbänden. Sie warfen ihm vor, in seinem Buch "Islam der Barmherzigkeit" (2012, Herder Verlag) die Glaubensprinzipien des Islam aufgegeben zu haben. Von radikalen Salafisten wird Khorchide bis heute bedroht. Der Fall schlug derart hohe Wellen, dass 2013 Bundespräsident Joachim Gauck mit einem Besuch in Münster Khorchide (1971 in Beirut geboren, in Saudi-Arabien aufgewachsen, 2008 in Wien promoviert) demonstrativ den Rücken stärkte.