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"Magna hat das beste Opel-Konzept"Magna zwar Favorit im Kampf um Opel - Rüttgers ist aber gegen den Autozulieferer

Herr Dudenhöffer, mit Fiat, Magna und dem Finanzinvestor Ripplewood gibt es drei Interessenten für Opel. Alle drei planen offenbar einen massiven Stellenabbau. Steht Opel vor der Wahl zwischen Pest und Cholera? Dudenhöffer: Nein. Opel kann nur dann überleben, wenn Überkapazitäten abgebaut werden. An dieser Notwendigkeit kommt kein Opel-Käufer vorbei

Herr Dudenhöffer, mit Fiat, Magna und dem Finanzinvestor Ripplewood gibt es drei Interessenten für Opel. Alle drei planen offenbar einen massiven Stellenabbau. Steht Opel vor der Wahl zwischen Pest und Cholera?Dudenhöffer: Nein. Opel kann nur dann überleben, wenn Überkapazitäten abgebaut werden. An dieser Notwendigkeit kommt kein Opel-Käufer vorbei. Es geht nicht um die Wahl zwischen Pest und Cholera, sondern um eine Brücke für die Zukunft. Ohne eine Marktanpassung hätte Opel weiter Probleme.Offenbar läuft alles auf den Zulieferer Magna hinaus. Eine gute Wahl?Dudenhöffer: Ja. Magna hat das beste Konzept. Mit Magna wird das Potenzial von Opel erweitert und nicht reduziert. Westeuropa bleibt ganz für Opel reserviert, für den russischen Markt wird die Tür weit geöffnet, und mit Magna können Motoren aus Opel-Fabriken auch an Ford und andere geliefert werden.Die Opel-Belegschaft steht offenbar allen drei Interessenten skeptisch gegenüber. Deshalb erwägt man, selbst Anteile am Unternehmen zu erwerben. Was halten Sie von einem solchen Mitarbeitermodell?Dudenhöffer: Nichts. Das ist ein Papiertiger. Darüber reden die Arbeitnehmervertreter bei Opel seit eineinhalb Jahren, ohne etwas Substanzielles auf den Tisch zu legen. Wie sollen denn die benötigten Milliarden zusammenkommen? Da müsste jeder Opel-Beschäftigte bis zu 50 000 Euro aus der eigenen Tasche nehmen und in die Firma stecken. Das ist illusorisch.Was nützen alle Bemühungen der deutschen Politik, wenn am Ende der US-Mutterkonzern General Motors das Entscheidungsrecht beim Zuschlag für Opel hat?Dudenhöffer: Jeder neue Investor bei Opel braucht Staatshilfen, die bei vier bis fünf Milliarden Euro liegen. Diese Kredite müssen von der Bundesregierung verbürgt werden. Insofern ist es entscheidend, wem die Bundesregierung den Vorzug bei Opel gibt. Denn dieser Investor darf sich dann der nötigen Kredite sicher sein. Das kann General Motors nicht ignorieren.Bis zur Übernahme von Opel durch einen Investor plant die Regierung eine Brückenfinanzierung, die über ein Treuhand-Modell abgewickelt werden soll. Was halten Sie davon?Dudenhöffer: Es ist vernünftig, eine drohende Insolvenz bis zum endgültigen Verkauf von Opel durch eine staatliche Brückenfinanzierung abzuwenden. Das Treuhand-Modell ist allerdings ein Flop. Eine solche Verbiegung des Gläubigerrechts werden die Amerikaner nicht mitmachen. Opel gehört ja den Aktionären, aber die hätten durch das Treuhand-Modell keinerlei Zugriff mehr auf ihren Besitz. Das würde eine Flut von Gerichtsprozessen nach sich ziehen.Was empfehlen Sie?Dudenhöffer: Die einfachste Lösung ist, dass der Staat Anteile von Opel übernimmt und sie in Ruhe weiter an einen Investor verkauft. Leider scheut die Bundesregierung diesen Schritt aus ideologischen Gründen. Berlin/Rüsselsheim. Im Wettbieten um den angeschlagenen Autobauer Opel ist der Zulieferer Magna der Top-Favorit: Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Freitag, man wolle sich nun vorrangig mit dem Magna-Konzept befassen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) machte nach einem Spitzentreffen im Kanzleramt jedoch klar, sein Land können dem Magna-Konzept nicht zustimmen. Denn angeblich soll der nordrhein-westfälische Opel-Standort Bochum besonders stark vom Arbeitsplatzabbau betroffen. 2600 Stellen sollen nach den Magna-Plänen in Deutschland wegfallen, davon 2200 in Bochum. Laut Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) soll bis Ende kommender Woche eine Grundsatzentscheidung über einen Investor fallen. Die Zeit drängt, weil die Opel-Mutter General Motors (GM) dann Insolvenz anmelden könnte. dpa