Magdalenenkapelle ist das älteste Haus in St. Wendel

Historisches Gebäude : Ehrwürdiges Gemäuer im Dornröschenschlaf

Die Magdalenenkapelle solle wieder stärker ins Bewusstsein rücken, das wünscht sich deren Miteigentümerin Susanne Schönecker.

Geschichtsträchtige Orte gibt es in St. Wendel und Umgebung viele. Dennoch ist sie etwas Besonderes: Die Magdalenenkapelle in der St. Wendeler Altstadt. Erstmals schriftlich erwähnt wurde sie 1328 im Ablassbrief eines Generalvikars des Metzer Domkapitels – seinerzeit gehörte St. Wendel zum Bistum Metz. „Die nachweisliche Faktenlage zur Kapelle ist sehr dürftig“, sagt Susanne Schönecker. Sie ist Teil der Erbengemeinschaft, in deren Besitz die Kapelle inzwischen ist. Schönecker vermutet aber, dass die Kapelle hinter den barocken Mauern des Anwesens in der Balduinstraße 38 noch ein gutes Stück älter ist. Denn 1318 war sie bereits Priesterkirche, was aus einer Urkunde hervorgehe.

Als einigermaßen sicher gilt indes, dass die Kapelle übergangsweise Grablage des Heiligen Wendelin war. Als nämlich die ursprüngliche Wendelinusbasilika umgebaut wurde, bettete man die Gebeine des St. Wendeler Stadt-Heiligen in die Magdalenenkapelle um.

Sozusagen profan wurde es für die Magdalenenkapelle, nachdem französische Revolutionstruppen Ländereien, die zur Pfarrei St. Wendelin gehörten, stark verwüsteten. In der Folge und um finanziellen Schaden auszugleichen, wurde das historische Gebäude 1796 an die Stadt verkauft, wie dem Pfarrarchiv zu entnehmen ist. Und im Stadtarchiv ist hinterlegt, dass die Kapelle 1802 umgebaut wurde und danach als Schulgebäude diente. Zwischen 1817 und 1823 wurde die Kapelle Sitz der Oberbürgermeisterei, und im Oktober 1824 zum Lyzeum (weiterführende Schule), das als Vorgänger des heutigen Wendalinum-Gymnasiums gilt. Später wurde das Haus Kaserne, städtische Volksschule, Wohnhaus und Amtsstube. Einen tiefen Fall erlebte das einstige Gotteshaus nach der ersten Saarabstimmung, als die Nazis hier die NSDAP-Kreiszentrale unterbrachten. Als der braune Spuk eine Ende hatte, zog von 1945 bis 1953 das Finanzamt ein, 1950 wurde das Erdgeschoss bis 1958 Heimat der städtischen Bücherei.

Nachdem der Kapelle in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Zerfall drohte, kaufte der St. Wendeler Architekt Hanns Schönecker das geschichtsträchtige Haus und sanierte es von Grund auf. In den oberen Etagen entstanden Wohnungen, das Erdgeschoss wurde gewerblich genutzt. In ihrer Ursprünglichkeit erhalten blieb indes die Krypta im Keller des Gebäudes, die in der Folge als Weinkeller beziehungsweise Restaurant genutzt wurde. Und genau das macht Susanne Schönecker, Tochter des Architekten Hanns Schönecker Sorgen, denn durch die Küchendämpfe wurde der Sandstein in Mitleidenschaft gezogen. Allerdings nicht so schlimm, dass es zu substanziellen Schäden gekommen wäre. Aber ein Restaurant, das möchte Schönecker in dem altehrwürdigen Haus, in dem jahrzehntelang der Maler Adolf Bender wohnte, nicht mehr haben.

„Aber ich könnte mir hier eine Außenstelle des St. Wendeler Standesamtes vorstellen“, überlegt Schönecker, „oder ein kleines schnuckeliges Café. Dann könnte man auch den kleinen Hof hinter dem Haus nutzen.“ Steht oder sitzt man dort und betrachtet sich die Rückseite des Hauses, sieht man schön die baugeschichtlichen Spuren. Pfeiler fallen dem Betrachter ins Auge und das sogenannte Tropfgesims zwischen Erdgeschoss und erstem Obergeschoss, das über den noch vorhandenen Spitzbogen entlang der Front führt.

Statue des heiligen Wendelin als Bischof, seine Gebeine ruhten hier. Foto: B&K/Bonenberger/
Dieser Gobelin mit einem mittelarterlichen Motiv ziert eine Wand der zeitweise als historischer Weinkeller genutzten Krypta. Foto: B&K/Bonenberger/

Aber egal ob Café, Standesamt oder sonstige Nutzung – Susanne Schönecker wünscht sich, „dass die Kapelle als ältestes erhaltenes Gebäude von St. Wendel beziehungsweise des Nordsaarlandes wieder etwas stärker in das Bewusstsein der Menschen rückt. Dass dieses Kleinod als besonderes Kulturgut erkannt wird“. Eine öffentliche Nutzung wäre ihr allemal lieber, „als dass es stillschweigend hinter Mauern liegt“.