| 10:35 Uhr

„Die Politik war sein zweites Leben“

Günter Sahner
Günter Sahner FOTO: privat
Wiebelskirchen. Günter Sahner Dieter Gräbner

Günter Sahner, Jahrgang 1927, wuchs als Einzelkind in Wiebelskirchen auf. Sein Vater Karl Sahner war Bergmann, seine Mutter Lina arbeitete für das Rote Kreuz. Sie starb früh. S

ohn Günter besuchte in Wiebelskirchen die Grundschule, absolvierte dann von 1941 bis 1943 eine Lehre als Maschinenschlosser, die er mit der Gesellenprüfung abschloss. 1944 wurde er als Siebzehnjähriger zur Wehrmacht eingezogen, war Soldat in einer Fallschirmjägereinheit und geriet 1945 in Scheveningen in Holland in Kriegsgefangenschaft, aus der er noch im selben Jahr entlassen wurden. Bis1949 arbeitete er dann als Maschinenschlosser bei der Eisenbahn in Neunkirchen. "Er lebte allein bei Verwandten. Sein Vater lebte irgendwo in Norddeutschland. Viel mehr weiß ich nicht. Er hat über seine Jugend nie viel erzählt," so seine Frau Elfriede. Sie hatte ihren späteren Mann 1949 bei einer Kirmesfeier in Neunkirchen kennen gelernt: "Ich war 19 Jahre alt. Er gefiel mir. Wir haben am 27. Mai 1950 geheiratet. Er war evangelisch. Wir heirateten katholisch. In der Marienkirche in Neunkirchen. Ich bin Katholikin. Wir zogen in das Haus seiner Eltern in Wiebelskirchen in eine Wohnung. Und er wechselte auch seinen Arbeitgeber und die Arbeitszeiten. Er arbeitete für Saarberg, fuhr auf der Grube Kohlwald im Schichtdienst eine Rangierlok."

1951 wurde Tochter Karin, und 1952 Tochter Ute geboren, die bei unserem Gespräch bei uns sitzt und sagt: "Es war nicht leicht damals. Unsere Mutter, die eine Ausbildung als Maschinenstrickerin absolviert hatte, verdiente als Zeitungsausträgerin was dazu." Sie nickt, sagt: "Ich kassierte die Beiträge für die Hausratsversicherungen in Wiebelskirchen. Man musste dazu verdienen. Sonst kam man ja nicht durch."

Ehemann Günter war schon als Lehrling in die SPD eingetreten. Er war Mitglied in der Gewerkschaft, Mitglied bei der Arbeiterwohlfahrt, im Deutschen Roten Kreuz. Er war Mitglied in 12 Vereinen Sie sagt: "Er war vielseitig interessiert, aber die Politik interessierte ihn besonders. Das war neben der Familie sein zweites Leben. Er war für soziale Gerechtigkeit. Und bald wurde man auch in der Partei auf ihn aufmerksam. Er war ein Kontaktmensch, sehr hilfsbereit. Ein Christ aus Überzeugung, aber kein Kirchgänger. Christliche Werte, wie Hilfsbereitschaft, Respekt vor dem Nächsten - das war ihm wichtig. Und er konnte andere auch von seiner Einstellung überzeugen."

Vor diesem Hintergrund und so viel Engagement in Partei und Vereinen konnte nicht ausblieben, das er bald in der Politik Karriere machte. Es gibt in einem Buch der saarländischen SPD eine Liste über die Ämter und Aufgaben, die der Landespolitiker Günter Sahner übernahm und erfüllte: Seit 1956 war er für die SPD Mitglied im Gemeinderat Wiebelskirchen und gleichzeitig SPD-Ortsvereinsvorsitzender.

Von 1964 an war er erster Beigeordneter und von 1968 bis 1971 Bürgermeister in Wiebelskirchen, von 1971 bis 1973 Amtsvorsteher in Wiebelskirchen, 1974 bis 1976 Mitglied der SPD-Stadtratsfraktion in Neunkirchen und von 1965 bis 1985 SPD-Abgeordneter im Saarländischen Landtag. Er war Vorsitzender des Petitionsausschusses im Saarländischen Landtag. Und er er war auch Mitglied im Wiebelskirchener Karneval- und Unterhaltungsverein Blau-Gold.

Frage: "Bei so viel Engagement - bleibt da noch Zeit für die Familie?" Tochter Ute nickt: "Wir fuhren regelmäßig in den Sommerferien in den Urlaub. Zuerst im VWKäfer mit vier Personen und dem Zelt auf dem Dach ging es nach Italien, an den Gardasee zum Beispiel, oder nach Spanien, nach Lloret de Mar. Er war streng, aber verständnisvoll, aufgeschlossen und immer hilfsbereit. Es gab klare Regeln für uns . Er wollte wissen, was wir in der Schule machten. Ich hatte mal eine Vier in politischer Bildung. Das fand er gar nicht gut. Wir Kinder wuchsen evangelisch auf. Wir gingen sonntags in die Kirche. Familienfeste wurden groß gefeiert. Er war ein hilfsbereiter, aufgeschlossener Vater."

1975 und 1981 wurde der SPDLandtagsabgeordnete Großvater. Tochter Karin gebar Enkeltochter Nicole und Tochter Ute Enkeltochter Diana. Sie sagt: "Er war ein richtig stolzer Opa. Als seine Enkeltochter Diana schwanger war und dann am 12. Mai 2014 sein Urenkel Max geboren wurde, hat er vor Begeisterung geklatscht."

Ehefrau Elfriede erzählt nachdenklich: "So war er, bis das Ende kam. Seit April 2014 litt er immer öfter an Atemnot. Er war zur Untersuchung in der Uni-Klinik in Homburg und in der Uni-Klinik in Heidelberg. Dort stellte man einen Krebstumor am Rippenfell fest. Chemotherapie vertrug er nicht. Er war zu Hause. Es war morgens, am 11. Dezember. Ich sagte zu ihm: ,Ich bin bei Dir'. Er atmete nicht mehr. Er war tot."