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Kirche in Blieskastel-Bierbach
Der Organist hat ihre Pfeifenorgel ersteigert

 Der Innenraum ist eher schlicht gehalten, erfreut sich aber einer harmonischen Farbgestaltung.
Der Innenraum ist eher schlicht gehalten, erfreut sich aber einer harmonischen Farbgestaltung. FOTO: Sebastian Dingler
Blieskastel-Bierbach. 1909 war Grundsteinlegung für die Kirche in Bierbach. Die Weltkriege danach überstand sie – aber nicht ohne den Verlust von Glocken.

 Die Ursprünge des Protestantismus’ gehen in dem Ort Bierbach, der zu Blieskastel gehört, weit zurück. Eine reformierte Kirchengemeinde gab es wohl schon zu Lebzeiten Martin Luthers. Damals bestimmten noch die Herrschenden die Konfession, und weil der damalige Herzog Wolfgang von Zweibrücken der Reformation angehörte, waren folgerichtig auch die Bierbacher protestantisch. Danach wechselte der Ort mehrfach die Zugehörigkeit zu verschiedenen Pfarreien.



Ende des 19. Jahrhunderts gehörte Bierbach zum Vikariat Blieskastel, aus dem die spätere Pfarrei hervorging. Das blieb so bis heute. Über mehrere Jahrhunderte benutzten sowohl Katholiken als auch Protestanten dieselbe Kapelle, die allerdings 1906 so baufällig wurde, dass die evangelische Gemeinde einen Kirchenneubau beschloss. Am 19. September 1909 konnte der Grundstein gelegt, die nagelneue protestantische Kirche am 2. Oktober 1910 eingeweiht werden. Architekt des Sandsteinbaus war ein C. M. Rayß aus Kaiserslautern.

Das Bauwerk ist ein Mix aus verschiedenen Stilen, orientiert sich in seiner schlichten Form aber hauptsächlich an der Romanik. Für den 17 Meter hohen Turm wurde ein Kuppeldach gewählt, das mit Schieferplatten abgedeckt ist. Die Turmspitze wurde in den 90ern erneuert. Das anfangs noch stark bemalte Innere wurde in den 60ern übertüncht. Taufstein, Altar und Kanzel sind aus Sandstein gearbeitet – leider ist heute nicht mehr feststellbar, wer für die Gestaltung zuständig war.



Die Fläche der Kirche von 164 Quadratmetern bietet im Innenraum Sitzplätze für 130 Gläubige. Zu Beginn gab es drei Glocken im Turm, zwei große und eine kleine. Wie bei fast allen Gotteshäusern forderte der Erste Weltkrieg seinen Tribut, indem die beiden größeren Glocken zu Kanonen umgeschmolzen wurden. Erst 1928 wurde die Anzahl drei im Geläut wieder hergestellt: Dazu wurde auch die übrig gebliebene, kleine Glocke eingeschmolzen. Drei gleich große Glocken läuteten fortan vom Turm, sie trugen die Namen „Liebe“, „Hoffnung“ und „Glaube“. Zwei von ihnen („Liebe“ und „Hoffnung“) erlitten dann wieder das gleiche Schicksal wie ihre Vorgängerinnen: Sie wurden „im Verlauf des Zweiten Weltkrieges ebenfalls vom Turm geholt und in grotesker Missachtung ihrer Namen und Bestimmung abermals zu Tötungsmaschinen umgeschmolzen“, wie es in der Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum heißt. Seither ruft eben nur noch eine Glocke die Gläubigen zum Gottesdienst.

Eine Zeit lang strebte die Gemeinde danach, wieder drei Glocken im Turm zu haben. Das Vorhaben musste jedoch auf Eis gelegt werden, nachdem klar wurde, dass für die Last von drei Glocken auch der Glockenstuhl hätte erneuert werden müssen. Das überstieg die finanziellen Möglichkeiten bei Weitem.



Die Fenster der Kirche schmückten von Anfang an das Gotteshaus besonders, der bekannte Mannheimer Glasmaler Johannes Kriebitzsch hat sie gestaltet. Hinter dem Altar leuchtet das Christusfenster mit einem Porträt von Jesus und vier Symbolen für die Evangelisten. Letztere und der Apostel Paulus sind einzeln in den Seitenfenstern porträtiert. Dazu kommen noch drei Bildnisse in der Sakristei, die auf die evangelische Konfession hinweisen: Die beiden Reformatoren Martin Luther und Johannes Calvin sind dort in Gesellschaft von Gustav II. Adolf zu sehen. Dieser war von 1611 bis 1632 König von Schweden und kämpfte einst im Dreißigjährigen Krieg an der Seite der Reformation. Pfarrer Matthias App ist es besonders wichtig, dass Gustav II. Adolf hier gedacht wurde, denn: Der Kirchenbau sei nämlich damals finanziell stark durch das Gustav-Adolf-Werk Pfalz unterstützt worden.

1910 besaß die Kirche eine Steinmeyer-Orgel mit pneumatischer Traktur, das heißt, das Signal des Tastendrucks wurde per Luftdruck an die jeweilige Pfeife weitergeleitet. Erst 1969 wurde dieses Instrument durch eine Elektroorgel von Ahlhorn ersetzt. Im Jahr 2006 ersteigerte der Organist Christoph Jakobi eine einmanualige Pfeifenorgel mit vier Registern aus einer US-amerikanischen Kirche in Ramstein  und schenkte sie der Gemeinde.

Auf der Seite Momente stellt die Saarbrücker Zeitung im Wechsel Kirchen und Lebenswege Verstorbener vor.

 Die protestantische Kirche Bierbach liegt erhöht auf einem Hang. Die von Johannes Kriebitzsch gestalteten Fenster gehören zu den Schmuckstücken der Kirche – auch über dem Altar. Der Innenraum ist insgesamt eher schlicht.  Fotos: Sebastian Dingler
Die protestantische Kirche Bierbach liegt erhöht auf einem Hang. Die von Johannes Kriebitzsch gestalteten Fenster gehören zu den Schmuckstücken der Kirche – auch über dem Altar. Der Innenraum ist insgesamt eher schlicht. Fotos: Sebastian Dingler FOTO: Sebastian Dingler
 Die protestantische Kirche Bierbach liegt auf einem Hang des Bliestals.
Die protestantische Kirche Bierbach liegt auf einem Hang des Bliestals. FOTO: Sebastian Dingler