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„Sie war eine begeisterte Oma“

Hildegard Grohs
Hildegard Grohs FOTO: privat
Friedrichsthal. Hildegard Grohs Dieter Gräbner

Hildegard Grohs, geb. Klein, Jahrgang 1929, ist die älteste Tochter des Schreinermeisters Hans Klein und seiner Frau Elisabeth. Sie hat zwei jüngere Schwestern, Anneliese, Jahrgang 1936, und Gertrud, Jahrgang 1938. Vater Hans Klein betrieb in Friedrichsthal eine eigene Schreinerei mit acht Mitarbeitern. Seine Tochter Hildegard besuchte in Friedrichsthal von 1935 bis 1943 die Grundschule, war dann bis 1945 Lehrling in einer Drogerie.

Nach 1945 wechselte sie in den elterlichen Betrieb ihres Vaters, arbeitete dort im Büro als Angestellte. "Sie war die Seele und der Motor des Geschäftes", erzählt ihre Tochter Monika Schaus. Sie, ihr Ehemann Martin Schaus, ihre Tante Gertrud Schmidt und ich sitzen im Familienhaus in Friedrichsthal zusammen und diskutieren über den Krieg, die schlimmen Nachkriegsjahre und wie sich das Leben langsam wieder normalisierte. Hildegard war überzeugte Katholikin, ging jeden Sonntag in die St. Marienkirche, war Mitglied in der Frohschar der Kirchengemeinde.

Sie lernte beim Tanz in den Mai im Gasthaus Wommer in Schü- ren bei St. Ingbert am 1. Mai 1947 ihren späteren Ehemann Willi Grohs, Jahrgang 1926, kennen. Er hatte als Unteroffizier in Rumä-nen gekämpft, wurde am 5. Januar 1945 durch einen Lungenschuss schwer verletzt. Er geriet in Frankreich in Gefangenschaft, aus der er 1947 entlassen wurde, absolvierte dann eine Ausbildung als Rangiermeister auf der Grube Maybach. Hildegard, Rufnamen "Olga", und Willi Grohs heirateten 1949 in der St. Marienkirche in Friedrichsthal. Tochter Monika: "Es war eine große Hochzeit. 80 Gäste waren da."

Ehefrau Hildegard arbeitete zunächst weiter in der elterlichen Schreinerei, zu der inzwischen auch ein Bestattungsunternehmen gehörte. "Sie kannte sich aus, konnte planen und organisieren. Sie war die gute Seele des Geschäftes", erzählt ihre Schwester Gertrud Schmidt. 1951 wurde Tochter Monika geboren. Mutter Hildegard kümmerte sich um den Haushalt, die Tochter und arbeitete weiter in der Schreinerei. Schon in den 50er und 60er Jahren unternahm die Familie Campingreisen mit einem Wohnwagen meistens an die Nied nach Siersburg. Ehemann Willi hatte immer öfter gesundheitliche Probleme. 1960 hatte er einen Herzinfarkt und eine Lungenembolie. Er konnte nicht mehr als Rangiermeister auf der Grube Maybach arbeiten. Was nun? Im Campingurlaub hatte er 1962 den Personalleiter der Stadtverwaltung Saarbrücken kennen gelernt. Der half ihm, sagte: "Bewirb dich bei der Stadt!" Er absolvierte eine Verwaltungslehre für den Mittleren Dienst, arbeitete dann im Schulverwaltungsamt. Dann ein Rückschlag. Er wurde an der Niere operiert. Es war eine "Privat-Operation". Die gesetzliche Kasse zahlte nicht.

Ehefrau Hildegard arbeitete inzwischen beim Saarland-SportToto, war mit verantwortlich für die Auszahlung der großen Gewinne. Tochter Monika erzählt: "Sie war eine äußerst zuverlässige, liebenswerte und strenge Mama. Wenn ich Schwierigkeiten in der Schule hatte, ist sie in die Schule und hat das mit den Lehrern geklärt."

"Und sonst? Was habt ihr unternommen? Im Urlaub? Zu Hause?", frage ich, Tochter Monika erzählt: "In den Ferien waren wir auf dem Campingplatz. Wenn wir zu Hause waren, spielte meine Mutter Klavier. Ihr Papa spielte Geige, mein Vater spielte Akordeon. Bei uns war immer Musik. Wir haben viel gefeiert. Sylvester, Fastnacht. Wir veranstalteten sogar Hausbälle. Bei uns war immer was los. Wir waren nicht parteipolitisch organisiert, haben aber viel über Politik diskutiert, vor allem vor den Wahlen. Wenn Wahlen waren, haben wir uns um 18 Uhr im Fernsehen die Hochrechnungen angesehen."

1986 heirateten Tochter Monika und der Konstrukteur Martin Schaus. Im selben Jahr wurde Sohn Stefan, der Enkel von Hildegard Grohs geboren. Tochter Monika erzählt: "Sie war eine begeisterte und liebevolle Oma. Ihr Ehemann Willi war sehr krank. Seit 1983 war er berufsunfähig." Gertrud Schmidt, seine Schwägerin, erzählt: "Er half zu Hause im Haushalt, so gut er konnte. Er starb am 14. Juli 2012. "

Ehefrau Hildegard war gesund, sie fuhr weiter Auto, kaufte ein, half, wo sie konnte. Und sie war stellvertretende Geschäftsführerin des Bürgerhilfsvereins Friedrichsthal, der den Angehörigen von Verstorbenen auf unbürokratische Weise hilft.

Anfang 2016 erkrankte sie schwer. Gürtelrose. Ausschlag in der Hüfte. Tochter Monika: "Sie lebte bei uns. Sie wurde immer schwächer. Es war eine große Beerdigung. Über 100 Trauergäste gaben ihr bei strömendem Regen das letzte Geleit. Pfarrer Thomas Thielen von der Kirche St. Marien sagte am Grab: "Man fällt niemals tiefer als in Gottes Hand."