Ludwig II. hätte es gefallen

Ludwig II. hätte es gefallen

Große Kunst im Schloss, aber in der Atmosphäre eines Fabrik-Ateliers – das kennzeichnet die Ausstellung „Königsklasse III“, die Kunstliebhaber nach Herrenchiemsee lockt. Höhepunkt: ein Saal für Gerhard Richter.

 Brigid Polk malte Gerhard Richter 1971. Foto: Gerhard Richter
Brigid Polk malte Gerhard Richter 1971. Foto: Gerhard Richter Foto: Gerhard Richter

Inmitten des Chiemsees ließ König Ludwig II. sein Schloss Herrenchiemsee errichten. Das ambitionierte Projekt, ein "bayerisches Versailles" zu schaffen, blieb mit dem Tod des "Märchenkönigs" 1886 unvollendet - ein Seitenflügel hat im Inneren bis heute rohe Ziegelwände. Hier, auf der anderen Seite des Schlosses, werden nunmehr im dritten Sommer und bis zum 27. September Hauptwerke von Andy Warhol , Dan Flavin , Arnulf Rainer , Imi Knoebel, Georg Baselitz , Fabienne Verdier, Wolfgang Laib, John Chamberlain sowie Willem de Kooning gezeigt. Neu ist in diesem Jahr ein Raum mit drei Gemälden von Gerhard Richter - eines davon ist als private Schenkung in den Besitz der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gegangen.

Alle Werke entfalten vor den unverputzten Backsteinwänden eine ganz eigene Wirkung, eine Unmittelbarkeit, fast als blickte man in ein großes Gemeinschaftsatelier von Künstlern der Gegenwart und der jüngsten Vergangenheit, in der gerade eben Pinsel und Werkzeug abgelegt wurden. Meditative Stille strahlt die Arbeit von Wolfgang Laib aus, der dem grauen Fußboden feine Wolken von Kiefernpollen aufgestreut hat. Dieses intensiv leuchtende, vor den Augen pulsierende Quadrat in Gelb ist eine Einladung, nicht nur über den Wert von Kunst, sondern auch über die Kostbarkeit von Gaben der Natur nachzudenken.

Zu den gefragtesten Malern auf dem Kunstmarkt zählt derzeit der 1932 in Dresden geborene Maler Gerhard Richter . Anfang dieses Jahres erbrachte ein abstraktes Bild von ihm im Auktionshaus Sotheby's den Rekordpreis von 41 Millionen Euro. Die Schenkung eines Richter-Gemäldes aus Privatbesitz an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen wird damit zur Sensation: Vor dem Gemälde "Brigid Polk" (1971) sagt Corinna Thierolf, Referentin für Kunst ab 1945 in der Pinakothek der Moderne , fast atemlos: "Es ist, als würden Sie ein Gold-Nugget bekommen!" Sie ergänzt: "Die Schenkenden möchten unbekannt bleiben. Es gibt wunderbare Menschen, die das Bedürfnis haben, etwas zu geben und zu teilen mit der Öffentlichkeit."

Die Story dieses Bildes ist skurril: Brigid Polk, beste Freundin von Andy Warhol , posierte 1970 in einer Schwabinger Wohnung ihren nackten, fülligen Körper auf einer Kommode, über der das Gemälde "Badende" von Gerhard Richter hing. Sie nimmt mehrere Polaroid-Fotos von dieser Situation auf - und diese inspirieren Richter zu insgesamt sechs Gemälden; drei davon sind nun in der "Königsklasse III" in Schloss Herrenchiemsee zu sehen. Auf diesen Bildern "zeigt er uns einerseits etwas sehr deutlich, andererseits geht er mit dem Pinsel über die sehr realistisch gefassten Motive nochmal drüber und verschleiert sie", erläutert Corinna Thierolf. Eben diese Unschärfe des Bildes fasziniere, weil sie ein Geheimnis lasse.

Herrenchiemsee, gelegen in einem wunderschönen Park auf der Herreninsel, lohnt einen Besuch aber nicht nur wegen der aktuellen Ausstellung. Befreit vom üblichen musealen Kontext sammelt man neue Eindrücke und Erfahrungen beim Erkunden des Zusammenspiels von Kunst, Natur und Geschichte. Junge Kunstvermittler assistieren dabei.

Bis 27. September. Täglich von 10 bis 18 Uhr.