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Liebe, Luft und Schreiben

Saarbrücken. Wenn sie redet, dann sprudelt es nur so aus ihr heraus, und ihre wachen Augen leuchten vor Begeisterung. Man kann sich prima vorstellen, wie sie morgens mit einer Idee für ein Buch erwacht, den ganzen Tag wie eine Verrückte schreibt - während ihr außergewöhnlich liebevoller Mann ihr hin und wieder was zu essen einflößt Von SZ-Redakteurin Susanne Brenner

Saarbrücken. Wenn sie redet, dann sprudelt es nur so aus ihr heraus, und ihre wachen Augen leuchten vor Begeisterung. Man kann sich prima vorstellen, wie sie morgens mit einer Idee für ein Buch erwacht, den ganzen Tag wie eine Verrückte schreibt - während ihr außergewöhnlich liebevoller Mann ihr hin und wieder was zu essen einflößt.


Juliane und Marc Kliebenstein sind ein Paar, das man durchaus beneiden kann. Weil ihre gegenseitige Liebe durch unzählige kleine Gesten und Sätze ständig spürbar ist. Und wenn sie schwärmt, wie schön es für sie ist, Zeit zu haben fürs Schreiben, dann ruhen seine ruhigen Augen voller Stolz auf ihr.

Allein schon der Künstlername, unter dem Juliane Kliebenstein Kinderbücher schreibt, ist eine Liebeserklärung: Juma Kliebenstein. Das Juma steht für Juliane und Marc. Denn der zehn Jahre jüngere Marc war es, der vor zwei Jahren sagte "Mach, wir schaffen das", als Juliane nach dem Studium in ihrem ersten Lehramts-Praktikum merkte, dass sie in diesem Beruf unglücklich würde. "Ich will eigentlich lieber schreiben", gestand sie ihrem Mann. Die 36-jährige gebürtige Lebacherin hat praktisch ihr Leben lang geschrieben, las schon in der Grundschule ihre eigenen Geschichten vor.

"Aber wie wichtig mir das Schreiben wirklich war, wurde mir erst klar, als ich gemerkt habe, dass es durch meinen Job nicht mehr geht". Und so entstand eben der tollkühne Plan, dass man notfalls von Luft und Liebe leben würde, denn Marc Kliebenstein steckt mit seinen 26 Jahren noch mitten im Übersetzer-Studium für Englisch und Italienisch.

Aber durch Julianes Schreiben kommt jetzt schon das erste Geld in die Kasse. Denn die Autorin Juma Kliebenstein schaffte quasi aus dem Stand einen Fünfer im Lotto. Ihr erstes Buch, "Tausche Schwester gegen Zimmer" - ein ausgesprochen flott geschriebener Jugendroman um eine Patchwork-Familie - schickte sie genau einem Verlag. Und der nahm es. "Mir war immer klar: Ich will zum Oetinger Verlag". Denn dessen Bücher - von Astrid Lindgren über Kästner bis Paul Maar - hat sie schon als Kind geliebt. "Die achten auf Qualität und wissen, dass ein Buch ein wertvoller Gegenstand ist". Also machte sie vor zwei Jahren bei Oetingers Astrid-Lindgren-Wettbewerb mit, schickte das Manuskript von "Tausche Schwester gegen Zimmer" - und hörte nach einem halben Jahr, dass der Wettbewerb abgesagt worden war. "Ich dachte, dann schreibe ich eben ein neues Buch und schicke ihnen das", sie hätte es erstmal bei keinem anderen Verlag versucht. Aber dann kam - mitten im Italien-Urlaub - die Mail: Man sei an dem Manuskript interessiert.



Seit Februar liegt "Tausche Schwester gegen Zimmer" in den Buchläden, und die Autorin wird schon sehr eifrig für Lesungen gebucht. Auch das nächste Buch ist schon fertig und vom Verlag gekauft. Diesmal geht es um zwei zehnjährige Jungs, mehr verrät sie noch nicht. Außerdem ist ein Vorlesebuch für Fünfjährige fertig geschrieben.

"Ideen hat sie für mindestens acht weitere Bücher", meint ihr Mann lächelnd. Er wird noch viel Tee kochen und Brote schmieren müssen, wie es scheint.

Juma Kliebenstein: "Tausche Schwester gegen Zimmer". Oetinger Verlag, 160 Seiten, 12 Euro.

Die Lesung mit Juma Kliebenstein ist am 16. Mai, 11 Uhr, im VHS Zimmer 1.

Juma Kliebenstein Foto: MK/SZ
Juma Kliebenstein Foto: MK/SZ