Lessy „hechelt“ in Fenne

Lessy „hechelt“ in Fenne

Der Batterie-Speicher Lessy, der Strom aus Wind oder Sonne aufnehmen und abgeben soll, ist gestern am Kraftwerkspark Fenne in den Dauerbetrieb gegangen. Das Forschungsvorhaben kostet 4,9 Millionen Euro.

Mit Lessy ist gestern ein Forschungsvorhaben in den Dauertest-Betrieb gegangen, das zum Ziel hat, die Schwankungen bei Strom-Angebot und -Nachfrage ein wenig ins Gleichgewicht zu bringen. Lessy steht für ein "Lithium-Elektrizitäts-Speicher-System". Es ist über die Hochspannungsleitung (zehn Kilovolt) des Steag-Kraftwerkparks in Völklingen-Fenne (Modellkraftwerk Völklingen, MKV, und Heizkraftwerk Völklingen, HKV) ans Netz angedockt. Für Christian Neu, Geschäftsführer von Steag Power Saar (SPS), kann Lessy "ein Meilenstein für die Energiewende sein".

Durch den verstärkten Einsatz von Strom aus Sonne und Wind wird es immer schwieriger, den Bedarf nach elektrischer Energie und das vorhandene Angebot miteinander in Einklang zu bringen. Wenn zu viel Strom im Netz ist, muss dieser gespeichert werden. Dazu soll Lessy dienen. Gestern begann der Härtetest. In einem See-Container sind 4700 Lithium-Ionen-Batteriezellen zusammengeschaltet. Sie haben eine Speicherkapazität von 700 Kilowattstunden (kWh) und eine Leistung von einem Megawatt (MW). Lessy kann im Sekundentakt Strom aufnehmen oder ihn wieder abgeben, je nach Bedarf des Netzes. "Die Batterien hecheln", nannte ein Fachmann dieses schnelle Auf- und Entladen des Speichersystems.

An dem umfangreichen Forschungsvorhaben sind etliche Partner beteiligt. Neben dem Essener Kraftwerks-Konzern Steag ist das der Chemiekonzern Evonik und dessen Tochter Li-Tech, die bereits Erfahrung im Bau von Lithium-Ionen-Batterien - zum Beispiel für Elektroautos - hat. Für das Messen der Batterieleistung ist die Digatron Industrie-Elektronik (Aachen) zuständig. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit 2,3 Millionen Euro. Die wissenschaftliche Begleitung haben die Universität Münster und das Forschungszentrum Next-Energy (Oldenburg) übernommen.

Auch Saar-Forscher dabei

Es sind aber auch saarländische Forscher mit im Boot. Das Institut für Elektrische Energiesysteme (Power-Engs) an der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) hatte im Vorfeld die Aufgabe zu lösen, "was uns im Stromnetz erwartet, wenn Lessy im Sekundentakt elektrische Energie aufnimmt und abgibt". So beschreibt es Stefan Winternheimer, der gemeinsam mit Michael Igel das HTW-Institut leitet. Nachdem der Testbetrieb angelaufen ist, "analysieren wir die Betriebsdaten und überprüfen, ob Lessy seine Aufgaben erfüllt".

Rund 4,9 Millionen Euro kostet das gesamte Forschungsvorhaben. Die Versuchsphase ist bis Januar 2014 geplant, erläutert Dennis Gamrad, Projektkoordinator Lessy beim Evonik-Konzern. Das Vorhaben wurde im Jahr 2009 gestartet. Es hat sich allerdings immer wieder verzögert, bis es gestern in den Dauerbetrieb gehen konnte.

Auch Peter Nützl, Mitglied der Geschäftsführung von Steag Technischer Service, ist schon länger mit Lessy beschäftigt. Für ihn ist "die Energiewende nur mit einem Bündel von solchen kreativen Konzepten zu schaffen". Produktentwicklungen wie die Lessy-Speichertechnologie könnten auch zu einem Exportschlager werden "und einen signifikanten Beitrag für die Netzstabilität leisten".

Doch wie groß diese Aufgabe ist und welcher Weg noch zu gehen ist, machte Bernhard Rami deutlich. Der Ministerialdirigent im Bundesforschungsministerium sieht einen Speicherbedarf im Terawatt-Bereich, wenn Mitte des Jahrhunderts der meiste Strom aus Sonne, Wind oder Biomasse erzeugt werden soll. Bei nur einem Terawatt wären eine Million Lessy-Container vonnöten. Die staatlich geregelte Förderung neuer Solaranlagen dürfte nach Ansicht von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) 2017 oder 2018 auslaufen. Dann seien Anlagen mit einer Leistung von 52 Gigawatt in Deutschland installiert - und bei dieser Zahl ende die Förderung, erklärte Altmaier gestern. Bislang liefern die Sonnenkollektoren jährlich 34 Gigawatt Strom. Vor einem Jahr wurde die für 20 Jahre garantierte Vergütung für Solaranlagen stark gesenkt; laut Altmaier schrumpften die Sätze 2012 um bis zu 30 Prozent. Im Herbst werden sie weiter gestutzt. Folglich wurden deutlich weniger neue Fotovoltaik-Anlagen gebaut.

2013 werden laut Umweltministerium neue Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 2,5 bis 3,5 Gigawatt dazukommen. Bis Ende Juni lag der Zubau bei 1,8 Gigawatt.

An der Saar wurden laut Bundesnetzagentur in den ersten fünf Monaten Fotovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 26 Megawatt errichtet. Davon entfallen auf Großanlagen mit einer Leistung von jeweils einem Megawatt und mehr derzeit 16 Megawatt. Solche Anlagen werden etwa von der RAG gebaut. Die übrige Leistung stammt im Wesentlichen aus kleineren Anlagen mit einer Leistung von im Schnitt unter 30 Kilowatt. Hier wurden 2013 bisher sechs Megawatt Leistung erzeugt. Solche Anlagen finden sich vorrangig auf Dächern von Privathäusern. Insgesamt plant das Saarland für 2013 mit 60 Megawatt erzeugtem Strom aus Fotovoltaik-Anlagen. > : Meinung