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Leserbrief Lafontaine
Ja zu gesundem Patriotismus

Leitartikel „Wagenknecht und Lafontaine haben die Wähler verstanden“, SZ vom 6. September red

Der Leitartikel von Daniel Kirch spricht mir aus der Seele und ich kann ihn bis zum i-Punkt unterschreiben. Die Mitte-links-Parteien werden aktuell nicht nur in Deutschland abgestraft, sondern in vielen anderen Staaten Europas. Es bedarf in der Tat einer Neuorientierung. Erlauben Sie mir hierzu einen weiteren Gedanken. Diese Parteien haben sich in den letzten Jahrzehnten zu sehr zu Pro-Globalisierungs-Parteien entwickelt, zugleich mit der Forderung nach mehr Liberalisierung im politisch-ökonomischen, kulturellen Bereich, sowie in einer sehr liberalen Haltung in der Migrationspolitik. In der Folge wuchsen Bestrebungen, den Nationalstaat zu reduzieren, weil er ein Atavismus (ein Rückschritt in vergangene Zeiten) sei. Meinungsumfragen und Wahlergebnisse in jüngster Zeit belegen jedoch das Gegenteil, Europa bietet aktuell ein Bild der Zerrissenheit. Die These, dass die nationale Identität sich in eine europäische wandeln würde, ist zunächst unrealistisch. Der Bürger bedarf einer gesunden Identität – hier sind Heimat/Vaterland/Nation der beste Nährboden, und den gilt es zu pflegen. Europa ja, Europa ist ein großartiges Projekt, aber mit Bedacht und Augenmaß. Krisen können bremsen, aber auch zur Stärkung beitragen. Das Dilemma, in dem sich die linken, aber auch die konservativen Parteien befinden, ist, zu verstehen und zu respektieren, dass die Menschen trotz EU den „eigenen Staat“ wollen; kurzum einfach „ja“ zu einem vernünftigen Patriotismus zu sagen. Nur auf dieser Basis kann ein von der Bevölkerung mitgetragenes Europa werden.


Rudolf Britzen, Ensdorf