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Leserbrief Kinderarmut
Die Ursachen liegen woanders

„Kinderarmut nicht länger hinnehmen“, SZ vom 10. September, zur Situation im Saarland red

Dr. Lieselotte Simon-Stolz wies in der SZ auf die eskalierende Kinderarmut hin. So kommen im Raum Saarbrücken und Neunkirchen bereits 30 Prozent der Kinder aus sozial schwachen Familien. Diese Zahlen mögen eine um sich greifende Verarmung nahe legen. Die wahre Ursache offenbaren aber die Daten des Statistischen Bundesamts: Je niedriger der Bildungsstand, desto höher die Kinderzahl. Dieser alarmierende Umstand hat viele Ursachen. Dazu gehört, dass die Sozialhilfe durch eine hohe Kinderzahl das Niveau eines normalen beruflichen Einkommens erreicht oder sogar übersteigt. Auch, dass niedrig qualifizierte Migrantenfamilien oft hohe Kinderzahlen aufweisen. Auf der anderen Seite bedeutet eine hohe Kinderzahl für die breite Mittelschicht erhebliche berufliche und finanzielle Einschränkungen. So hat in Deutschland jede zweite vierzigjährige Akademikerin überhaupt kein Kind. Leider gibt sich die Politik der Illusion hin, das daraus resultierende Absacken unseres Bildungsniveaus könne durch Maßnahmen am Bildungssystem kompensiert werden. Dabei findet noch nicht einmal dies statt, geschweige denn eine Familien- oder Einwanderungspolitik, die dieser Entwicklung entgegen steuert. Für eine Nation, deren Wohlstand ausschließlich auf ihrer Innovationskraft und technologischen Leistungsfähigkeit basiert, ist diese Entwicklung verheerend. Doch eine Politik, die nur auf die nächste Wahl starrt, interessiert sich herzlich wenig für die langfristigen Aspekte unserer Gesellschaft. Auch eine Form des Populismus.


Richard Staab, Höchen