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Leonardy: Bloß gute Worte fürs Saar-Festival sind zu wenig

Saarbrücken. Gut drei Wochen nach dem Start haben die Musikfestspiele Saar Fahrt aufgenommen. Festivalintendant Robert Leonardy freut sich an ausverkauften Konzerten, moniert aber mangelnde Unterstützung der Politik. Oliver Schwambach

Auf sein Festival-Publikum kann sich Robert Leonardy offenbar verlassen. Die Sorgenmienen, mit denen der Intendant der Musikfestspiele Saar und sein Sohn Bernhard, künstlerischer Leiter des Festivals, vor Wochen noch rechneten und rechneten, weil ein sechsstelliges Finanzloch klaffte, haben sich aufgeheitert. Man dachte sogar schon daran, ein zentrales Konzert des Festivals abzusagen.

Doch die dunkle Wolke hat sich verzogen. Entspannt sitzt Leonardy senior nun im Garten seiner Villa, den roten Schal leger nach hinten geworfen wie einst Cabaret-Sänger Aristide Bruant, den Toulouse-Lautrecs Plakat unsterblich machte. "Ja, es läuft gut", freut sich Leonardy. Nicht bloß, weil Krysztof Penderecki, einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten, nun zugesichert hat, dass er zur Uraufführung seines Trompetenkonzerts am 3. und 4. Mai in Saarbrücken sein wird. Und die großen Konzerte des Festivals brummen. "Das Konzert mit Sol Gabetta hätten wir zwei Mal verkaufen können", sagt Leonardy. Auch Stargeiger Nigel Kennedy dürfte die Hoffnungen der Festspielleitung erfüllen: auf dass das Elversberger Stadion am 12. Juni voll werde. "Über 1000 Karten sind schon weg", so Leonardy.

Trotzdem bleibe das Polen-Festival ein Risiko. "Wir wussten wirklich nicht, ob es die Leute anspricht", meint Leonardy - doch nun ziehen sie offenbar mit. Beleg auch für den Draht, den Leonardy über die Jahre zum Publikum aufgebaut hat. Und für ihn ein schönes Geschenk zum Fünfundsiebzigsten. Über den wollte er eigentlich nichts in der Zeitung lesen. Aber jetzt, mit mehr als zwei Wochen Respektabstand, darf es dann doch wohl sein.

Dennoch bleibt Skepsis. Der akute Druck, unter dem die Festivalmacher kürzlich noch standen, offenbart einmal mehr, wie anfällig die kleine Festival-GmbH ist, wenn Sponsorengelder wegbrechen. Oder das Publikum zögert. Zwar sind Saarländischer Rundfunk und das Land Mitgesellschafter. Doch von der Politik komme zu wenig, klagt Leonardy. Land und Saartoto geben gemeinsam pro Ausgabe des Festivals (Etat derzeit: 1,5 Millionen Euro), das im Zweijahresturnus stattfindet, 250 000 Euro. Eine halbe Million Euro bräuchte die gemeinnützige GmbH aber schon, um einigermaßen die laufenden Kosten zu decken, das Organisationsbüro aufrecht zu erhalten. Alle Versuche, in der Landespolitik mehr zu erstreiten, verliefen stets fruchtlos, moniert der Intendant, müde des ewigen Anrennens. Auch ein vor gut vier Wochen an Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) adressierter Brandbrief, als den Festivalmachern finanziell das Wasser bis zum Hals stand, blieb ohne Resonanz. Es ist auch nicht allein das Geld, "es fehlt an echten Kämpfern für die Kultur", sagt Leonardy. Von den 51 Landtagsabgeordneten etwa sehe er bis auf zwei kaum mal jemand in den Konzerten. Das sei doch symptomatisch dafür, welchen Stellenwert Klassik bei vielen noch genieße.

Enttäuscht ist Leonardy mittlerweile auch von den beiden Saar-Ministern in Berlin, Heiko Maas (SPD ) und Peter Altmaier (CDU ). Selbst diese große Koalition im Kleinen konnte ihre Kollegin, die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU ), nicht dazu bringen, die Festspiele mit mehr als einer Schirmherrschaft zu fördern. "Dabei sagen alle immer, wie wichtig das Festival sei, dass es ein Leuchtturm fürs Land ist", ärgert sich Leonardy, "aber dann müssen sie es endlich auch vernünftig unterstützen."

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