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Krankenhäuser vor dem Aus
Warum weniger Kliniken im Saarland verkraftbar sind

FOTO: Roby Lorenz / SZ
Meinung Es ist höchste Zeit, die aktuelle Krankenhaus-Diskussion vom Kopf auf die Füße zu stellen. Keinem Träger, nicht einmal einem kirchlichen, ist es zuzumuten, auf Dauer ein Krankenhaus zu betreiben, das Jahr für Jahr Millionen-Verluste verursacht. Zu glauben, andere Träger würden aus Barmherzigkeit ein marodes Krankenhaus übernehmen, ist naiv. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Die Verantwortung für Klinikschließungen trägt letztlich die Bundespolitik. Sie macht die Regeln für die Krankenhausfinanzierung. Insofern können sich all jene Politiker, deren Parteien ihren Anteil am verkorksten System der Fallpauschalen haben, ihre Krokodilstränen sparen.



Die Konzentration von Fachabteilungen an größeren Standorten kann aber auch vernünftig sein, denn größere Einheiten haben es nicht nur wirtschaftlich viel leichter, sondern können auch besser Spezialisten anwerben und durch hohe Fallzahlen gute Qualität liefern. Wenn der kleine Standort Dillingen jetzt größtenteils nach Saarlouis verlagert wird, ist das deshalb positiv zu sehen. Durch die Neuansiedlungen in dem Gebäude wird die Stadt am Ende nicht unbedingt schlechter da stehen. Hätte es nicht dieses Kommunikations-Desaster von Politik und Träger gegeben, dann würde diese vernünftige Entscheidung wahrscheinlich auch eher akzeptiert.

In einem kleinen Bundesland 25 Krankenhaus-Standorte zu unterhalten,  kann man außerhalb der Landesgrenzen niemandem erklären. Es ist ein Beispiel für unvernünftig hohe Standards, die auf Dauer nicht zu finanzieren sind. Die begrenzten Investitionsmittel sollten besser auf weniger Standorte verteilt werden.

Es wäre schon vor Jahren und Jahrzehnten Aufgabe der Politik gewesen, das eine oder andere zu kleine Haus vor allem in den Ballungsräumen vom Netz zu nehmen und die Stationen, falls nötig, größeren Kliniken zuzuschlagen. Die Versorgung der Bevölkerung hätte das überhaupt nicht beeinträchtigt. Es traut sich aber niemand, weil in den betroffenen Kommunen dann der Teufel los ist. Es lebe der Kirchturm!

Wohlgemerkt: Die Interessen der Klinik-Kommunen sind legitim. Gerade auf dem Land ist ein Krankenhaus ein echter Leuchtturm. Um zu verhindern, dass diese Regionen ausbluten, wenn die Klinik dichtmacht, muss es eine Kompensation geben, ein Gesundheitszentrum, eine Reha-Einrichtung, was auch immer.



Allerdings wird die Diskussion oft nach dem Motto geführt: Wenn unser Krankenhaus schließt, ist die gesundheitliche Versorgung in Gefahr. Das stimmt in den meisten Fällen nicht. Für eine planbare Operation ist ein Anfahrtsweg von 20 oder 30 Minuten zumutbar. Und Schwerstverletzte oder Patienten mit Herzinfarkt oder Schlaganfall werden vom Rettungsdienst meist ohnehin nicht in kleine Häuser gebracht.

Es wäre kein Wunder, wenn in den nächsten Jahren weitere Kliniken schließen würden. Ganz ehrlich: In Landesteilen, in denen man binnen 25 Minuten Fahrzeit fünf bis zehn Kliniken erreichen kann, wäre das auch verkraftbar.