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Öffentlich-rechtlicher Rundfunk
ARD und ZDF müssen sparen, aber bleiben

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Die Kulisse könnte kaum passender sein. Da debattiert die Konferenz der Ministerpräsidenten auf dem Saarbrücker Halberg über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland – knapp hundert Meter entfernt vom Funkhaus des SR. Als Teil der ARD-Familie steht auch der saarländische Sender im Fokus der hitzigen Diskussion um Sein oder Nicht-Sein der Öffentlich-Rechtlichen. Es geht um eine Reform von ARD und ZDF und Forderungen, die in Teilen überfällig, berechtigt – und in Teilen absurd sind. Dass ein CDU-Politiker aus Sachsen-Anhalt, der auch ZDF-Fernsehrat ist, noch kurz vor der Konferenz zur Abschaffung der ARD-„Tagesschau“ rät, ist zum Beispiel weder glaubwürdig noch hilfreich. Von Frauke Scholl
Frauke Scholl

Gleichwohl ist eine Zukunftsdebatte nötig. Um aufgeblähte Strukturen und Zuschnitte der Sender. Nicht aber um journalistische Flaggschiffe oder eine Daseinsberechtigung dieses Rundfunks, wie sie die AfD anzweifelt. Das haben gestern auch die Ministerpräsidenten in Saarbrücken betont. Zur Zukunft gehört das Sparen – das weiß die Politik am besten. Auch die Öffentlich-Rechtlichen kommen daran nicht vorbei, wenn sie glaubwürdig bleiben wollen. Es reicht nicht, nur Kooperationen und Einsparungen bei Technik und Verwaltung anzubieten, dann aber eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags zu verlangen. Schon jetzt erhalten die 22 TV- und 67 Radiosender der Öffentlich-Rechtlichen pro Jahr acht Milliarden Euro aus dem Rundfunkbeitrag von monatlich 17,50 Euro pro Haushalt. Dafür bieten sie Programme, die schon genug Angriffspunkte bieten. Teurer darf es nicht werden. Ändern muss es sich. Denn die Zeiten haben sich geändert.



Kann das öffentlich-rechtliche Programm nicht mehr als Krimis, Fußball und Telenovelas in der Endlos-Schleife, zumal die Zuschauer (vor allem junge) längst ins Internet zu Netflix & Co. abwandern? Doch. Mit Qualität statt Quoten-Wahn lässt sich auch der Rundfunkbeitrag verteidigen. Fernsehen funktioniert noch, es braucht aber Mut zu Formaten. Politik, Kultur, Filme. Kerngeschäft statt Überangebot im Netz, wo etwa Zeitungsverlage nicht zu Unrecht eine Wettbewerbsverzerrung durch abgabenfinanzierte Konkurrenten beklagen. Die gesetzlich verankerte Grundversorgung muss neu definiert und hohe Kosten müssen in Frage gestellt werden – für Personal, Übertragungsrechte im Sport, Doppelstrukturen. Grundsätzlich in Frage gestellt gehört der öffentlich-rechtliche Rundfunk aber bei aller Kritik nicht.

Nicht nur Rechtspopulisten stellen die Frage, ob diese Art Rundfunk noch zeitgemäß ist. Die Antwort ist: Ja. Er ist noch immer ein hohes Gut in unserer Gesellschaft. Er soll umfassend und unabhängig bilden, informieren, unterhalten. Gerade in Zeiten, in denen Meinungsvielfalt vielerorts wieder bedroht ist, ist er nötig: Nicht alles an ihm ist unantastbar. Aber seine Existenz ist es. Wenn Sender nachvollziehbar und sparsamer mit dem Geld der Allgemeinheit umgehen, dürfte ihre Akzeptanz auch wieder steigen.