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Start der Winterspiele in Südkorea
Warum die olympische Idee (noch) nicht tot ist

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Meinung Heute werden die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang feierlich eröffnet. Die Themen Doping und Kommerz belasten den Sport wie nie zuvor. Von Stefan Regel
Stefan Regel

Die olympische Idee ist tot. So oder so ähnlich denken viele Menschen vor dem heutigen Start der Winterspiele in Südkorea. Keine Zeitungsseite der Welt wäre groß genug, um alle Negativschlagzeilen der vergangenen Monate abzudrucken. Das größte Problem hat natürlich sechs Buchstaben: Doping. Die grassierende Seuche, von Russland sogar als Staatsdoping pervertiert, tötet den Sport wie ein schleichendes Gift.



Sogar Fachleuten fällt es inzwischen schwer, den Überblick zu behalten und sich nicht zwischen IOC und CAS, Nada und Wada, ­Urinflaschen und Manipulation, zwischen Sport und Schwindel zu verheddern. Und es ist, das wissen die Experten, stets ein Wettrennen zwischen Hase und Igel. Überall, wo die Doping-Jäger Erfolge feiern, haben die Betrüger längst neue Mittel und Wege der Verschleierung gefunden. Eine Lösung kann es da eigentlich nicht geben, höchstens eine komplette Doping-Freigabe. Aber wer will das wirklich?

Das Internationale Olympische Komitee um den deutschen Präsidenten Thomas Bach hat in der Doping-Frage jedenfalls alles andere als souverän gehandelt. Das zeigen die vom Sportgerichtshof einkassierten Sperren von russischen Sportlern. Konsequent anhand der überwältigenden Indizienlage wäre einzig der Ausschluss aller Russen gewesen. Wahrscheinlich hat dem IOC angesichts des massiven Drucks aus Moskau dazu aber einfach der Mut gefehlt.

Die Olympischen Spiele sind mittlerweile eigentlich hauptsächlich nur noch eine große Moneten-Maschinerie. Politische und wirtschaftliche Interessen haben den Geist der Spiele so gut wie vertrieben. Den schlechten Ruf der Herren der Ringe zeigen auch die Volksabstimmungen der vergangenen Jahre in Deutschland. Nach der 2013 per Bürgervotum gescheiterten Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2022 sagten 2015 auch die Hamburger Nein zu möglichen Sommerspielen 2024. Die Gründe waren vielfältig: Intransparenz, Gigantomanie, zu hohe Kosten für die Steuerzahler. Renommee und die Freude an einem großen Fest des Sports scheinen die Bedenken der Menschen nicht mehr aufzuwiegen. Olympia macht deshalb immer häufiger einen Bogen um Europa. Immerhin: So schlimm wie bei der Fußball-WM, die mittlerweile in autokratischen Ländern wie Katar gastiert und dabei noch mehr dem Lockruf des Geldes folgt, ist es bei den Spielen noch nicht. Noch.

Dennoch werden in den nächsten Tagen wieder viele Millionen Menschen an den Bildschirmen mitfiebern. Mit den Stars der Szene, aber auch mit Außenseitern wie dem ersten afrikanischen Frauen-Bobteam aus Nigeria oder einem Langläufer aus dem Pazifik-Königreich Tonga. Denn abseits aller Schattenseiten bleibt da etwas Herzerwärmendes. Sei es die Freude über einen Überraschungssieg oder das Symbol der Hoffnung durch den gemeinsamen Einmarsch der Delegationen von Südkorea und dem geschundenen Nordkorea. Sport verbindet Menschen, Sport überwindet Grenzen. Oder anders gesagt: Olympia ist tot, es lebe Olympia!