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Neues Helmholtz-Zentrum
Forsche Forscher und der Traum vom „Silicon Saarland“

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Ob er wirklich ein Tag für die saarländischen Geschichtsbücher wird, dieser 15. Februar 2018, darüber müssen dereinst unsere Kinder urteilen. Doch die Hoffnungen sind enorm, die viele mit dem Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit verbinden. Tatsächlich zeichnen sich für den Forschungsstandort Saarland „blühende Landschaften“ ab. Von Thomas Schäfer
Thomas Schäfer

Ob er wirklich ein Tag für die saarländischen Geschichtsbücher wird, dieser 15. Februar 2018, darüber müssen dereinst unsere Kinder urteilen. Doch die Hoffnungen sind enorm, die viele mit dem Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit verbinden. Tatsächlich zeichnen sich für den Forschungsstandort Saarland „blühende Landschaften“ ab.



Die Vision, die Kanzler Kohl einst für die neuen Bundesländer hatte, ist durchaus passend. Wenn es so läuft, wie sich die forschen Forscher die kommenden Jahre vorstellen, wird Wissenschaft von Weltrang das kleine Saarland fundamental verändern.

So richtig angekommen ist das hierzulande augenscheinlich noch nicht. Dass für die blühenden Landschaften Bäume abgeholzt werden – vor allem das beschäftigte aufgeregte Bürger. Dazu kam die Sorge, dass das Land überfordert werden könnte, so wie das Saarland zuletzt häufig überfordert war mit Großprojekten wie einem neuen Museum oder einem Stadion.

So berechtigt die Hinweise sein mögen, so engstirnig sind sie. Denn es geht weder um politische Luftschlösser, noch um irreparable Schäden in der Natur, noch um eine Software-Klitsche. Es geht um zig Millionen Euro vom Bund, um eine Art zweite Uni als Magnet für hunderte Forscher aus aller Welt.

Nach Überzeugung von Gründungsdirektor Michael Backes handelt es sich um „einen der größten Wirtschaftsmotoren, die wir im Saarland je hatten“. Natürlich muss Backes qua Amt von seinem Tun überzeugt sein und es gut verkaufen. Doch er kann auch so selbstbewusst auftreten, seit es ihm gelungen ist, Teil der Helmholtz-Gemeinschaft zu werden. Mit einem Jahresetat von über vier Milliarden Euro will sie zur Lösung der drängenden Fragen unserer Zeit beitragen. Nun auch in Saarbrücken, wo man sich um die Sicherheit in der digitalen Welt kümmert, in der wir uns mehr denn je bewegen.



Für Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ist die Neuansiedlung „eine Keimzelle für den Strukturwandel im Saarland“. Tatsächlich hat das Zentrum das Potenzial, mittelfristig die Identität des Kohle-, Stahl- und Autolandes Saarland zu verändern – weg von der alten Industrie, hin zu den großen Themen der Zukunft. Dass sich die CDU-Politikerin mit dem Zentrum schmückt, ist vor allem deshalb nicht zu kritisieren, weil sie es von Anfang an „maximal unterstützt“ hat, wie Backes betont. Wiewohl er auch über andere Parteien nur Gutes sagen mag. Offenkundig hat die hiesige Politik, über die zuletzt viel Negatives geschrieben werden musste, in dieser Sache ihren Job gemacht – einen sehr guten. 

Das ist umso erfreulicher, weil es sich um eine saarländische Erfolgsgeschichte par excellence handelt. Michael Backes, aufgewachsen in einem Dorf bei Lebach, mit 28 Professor, hätte die Chance gehabt, anderswo schneller Karriere zu machen, auch im Silicon Valley, wo die Giganten sitzen, Apple, Google, Facebook, Amazon. Stattdessen hat er das Ziel, in seiner Heimat den Grundstein zu legen für ein „Silicon Saarland“. Es ist eines der spannendsten Projekte seit langer Zeit im Saarland – vielleicht sogar ein historisches.