| 20:45 Uhr

Fleischkonsum
Die Politik muss uns helfen, das Richtige zu essen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Die Gesundheit, das Tierwohl, der Klimaschutz – es gibt viele gute Gründe, weniger Fleisch zu essen. Dennoch scheitern wir Deutsche an diesem Ziel. Laut „Fleischatlas 2018“ verzehren wir mit 59 Kilogramm pro Jahr und Kopf genauso viel Fleisch wie vor zehn Jahren. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt gerade einmal die Hälfte. Und – was erschwerend hinzukommt – allzu oft stammt das Fleisch auf unseren Tellern aus Massentierhaltung. Die ist weder gut für die Tiere, noch für die Natur und das Klima. Die Losung lautet also: Weniger Fleisch und dafür besseres. Das zu erreichen, liegt letztlich in der Verantwortung von uns Verbrauchern. Doch die Politik muss uns dabei helfen, das Richtige zu essen. Von Gerrit Dauelsberg

Dabei geht es weniger um Verbote, sondern vielmehr um Aufklärung und Transparenz. Das beginnt schon in der Schule. Die flächendeckende Einführung eines Fachs „Ernährung“ würde dabei helfen, frühzeitig Alternativen zum Fleischkonsum aufzuzeigen – und auch ein Bewusstsein für Qualität bei Lebensmitteln zu schaffen.


Doch bereits jetzt ist der Wille bei den Deutschen durchaus da, mehr Geld für Fleisch auszugeben, wenn dies die Umwelt schont und es den Tieren dadurch besser geht. Das zeigen Umfragen. Doch die Umsetzung gelingt zu selten. Das liegt auch an fehlender Transparenz, die der Gesetzgeber – am besten auf EU-Ebene – unbedingt herstellen muss: Denn bis heute gibt es keine Kennzeichnungspflicht für Fleisch. Woher soll der Verbraucher also wissen, wie es dem Tier ergangen ist, das auf seinem Teller landet? Wenn er ganz sicher gehen will, dass sein Fleisch nicht aus Massentierhaltung stammt, muss er schon Bio-Produkte kaufen. Und die können sich viele schlicht nicht leisten.

Dass eine Kennzeichnungspflicht funktioniert, zeigt das Beispiel Eier: Seit die Packungen klar mit einer von vier Stufen – von Ökoerzeugung über Freiland-, Boden- bis hin zur Käfighaltung – beschriftet sind, haben sich die Haltebedingungen verbessert. Denn die Kunden entscheiden sich oftmals bewusst gegen Eier aus Käfighaltung. Und die Nachfrage bestimmt bekanntlich das Angebot. Ein Prinzip, das beim Fleisch genauso funktionieren dürfte.



Die Landwirte stehen solchen Ideen skeptisch gegenüber. Ihr Verband fürchtet eine ausufernde Bürokratie und bezweifelt, ob ein Vier-Stufen-Prinzip wie bei Eiern auf Fleisch übertragbar sei: Die Haltung von Schweinen, Rindern und Kühen sei deutlich vielfältiger als von Legehennen, argumentieren die Landwirte. Doch das ist noch lange kein Grund, gänzlich auf eine Kennzeichnungspflicht zu verzichten. Es muss eben ein praktikables System entwickelt werden – notfalls mit mehr als vier Stufen. Profitieren würden übrigens nicht nur die Verbraucher, die Tiere und die Umwelt – sondern auch viele Bauern: Wenn sie besser produzieren, als der gesetzliche Standard es vorschreibt, hätten sie anders als heute auch unterhalb des Bio-Labels Vorteile bei der Vermarktung. Die Kunden könnten die gute Qualität, die sie anbieten, auf Anhieb besser erkennen.