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Trump irrt nicht immer
Fairness ist im Welthandel wahrlich ein Fremdwort

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Donald Trump ist ein Meister der Verunsicherung und maximalen Sprunghaftigkeit. Anfangs erklärte der Egomane im Weißen Haus die Nato für „obsolet“, um sie kurze Zeit später als „Bollwerk“ des Friedens zu preisen. Dann wollte Trump Nordkorea „völlig zerstören“. Nun will er sich freudestrahlend mit Diktator Kim treffen. Und neuerdings zettelt Trump einen internationalen Handelskrieg an. Ob sich auch diese düstere Aussicht in Wohlgefallen auflöst? Darauf sollte man einstweilen nicht wetten.

Als Trump seine Proklamation für Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe verkündete, stand eine Gruppe Stahlarbeiter mit im Bild. Es war ein Symbol für sein Wahlversprechen, die heimische Branche zu alter neuer Blüte zu führen und damit auch den so genannten Rostgürtel des Landes, in dem besonders viele sozial abgehängte Amerikaner Trump ihre Stimme  gegeben hatten. Für sie muss der Präsident jetzt liefern. Da passt es ins Bild, wenn Trump sich speziell die deutsche Autobranche mit ihren schicken und für viele dieser Amerikaner ohnehin unbezahlbaren Produkten vorknöpft. Inzwischen sind auch die Chinesen wieder im protektionistischen Visier des Präsidenten. Trumps neuer Wirtschaftsberater Larry Kudlow hat schon mal kräftig gegen Peking gekeilt.


All das zeigt, Trump ist es offenbar sehr ernst mit seinen brachialen Plänen. Für Deutschland sind das denkbar schlechte Nachrichten. Insgesamt haben deutsche Autobauer 2017 fast 500 000 Fahrzeuge in den USA abgesetzt. Überhaupt hängen hierzulande rund 25 Prozent der Jobs vom Export ab. Zusätzliche Handelsbarrieren wären Gift für dieses Wirtschaftswunder. Was also tun? Trump mit Gegenzöllen zum Einlenken bewegen? Oder besser stillhalten und darauf hoffen, dass sich auf diese Weise ein weltweiter Handelskonflikt noch abwenden lässt? Eine Patentlösung gibt es nicht.

Fest steht, dass Deutschland wie kaum ein anderer Staat von der gegenwärtigen Praxis im internationalen Warenverkehr profitiert. Genau diese Praxis ist allerdings längst nicht der Weisheit letzter Schluss. Das hat auch schon Trumps Amtsvorgänger Barack Obama beklagt. Nur eben deutlich weniger schrill und populistisch. Wenn die USA für importierte Autos derzeit nur 2,5 Prozent Zoll verlangen, die EU-Importzölle für US-Autos aber bei etwa zehn Prozent liegen, dann darf man das System schon hinterfragen.

Überhaupt hält die EU gern das Fähnlein des freien Handels hoch, nur kann dieselbe europäische Gemeinschaft auch schnell protektionistisch sein, etwa wenn es um Handelsbeschränkungen im Agrarbereich mit afrikanischen Ländern geht. Auch China ist alles andere als ein handelspolitischer Musterknabe. Ausländische Firmen werden zu Joint Ventures gezwungen, bei der Vergabe öffentlicher Aufträge benachteiligt, und beim Patentschutz wird ein regelrechter Missbrauch betrieben.

Kurzum: Würde der Welthandel am Ende insgesamt fairer und gerechter, dann hätten Trumps jüngste Provokationen sogar noch ihr Gutes gehabt.