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Europas Antwort auf Trump
Im Schock über Amerika vereint wie selten

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Gemeinsam gegen Donald Trump – das ist die Linie, die Europa nun einschlägt. Dass die EU sich im drohenden Handelskrieg dennoch zu einem Kompromissvorschlag durchgerungen hat, um den US-Präsidenten zu ködern, war vernünftig, ist aber aussichtslos. Da hat der Franzose Emmanuel Macron schon Recht. Denn längst haben die einstigen Freunde Washingtons die meisten Möglichkeiten ausgereizt: Gespräche, Verhandlungen, ja nicht einmal die persönlichen Besuche Macrons und Merkels im Weißen Haus konnten irgendetwas bewirken,  auch nicht im Fall Iran. Trump exekutiert seine Politik ohne Rücksicht auf Freunde und Verbündete. Die EU ist und bleibt weitgehend ohnmächtig. Ihre einzige Hoffnung besteht darin, dass es sich wieder einmal um eine jener Drohkulissen handelt, die Trump so mag, um politische Gegner in eine Ecke zu drängen. Von Detlef Drewes

Allerdings ist beim Gipfeltreffen in Sofia deutlich geworden, dass die Union nicht nur die Lippen spitzen darf, sondern zur Not auch pfeifen muss: Noch ruht die Liste der Gegenmaßnahmen in der Schublade, weil kein Staats- oder Regierungschef an einer Eskalation des Handelskonfliktes interessiert sein kann. Die Frage bleibt, ob die EU den USA wirklich erhobenen Hauptes entgegentritt und Sanktionen mit Strafen kontert. Anders ist Trump vermutlich kaum noch zu bremsen.


Tatsächlich hat die EU aber ein Problem mit diesem Präsidenten, das weitaus tiefer geht. Über alle Alleingänge und Erpressungsversuche hinaus verspielt Washington gerade seine Glaubwürdigkeit als verlässlicher Partner. Zwar denkt niemand in der Union ernsthaft daran, die lange gewachsenen transatlantischen Beziehungen zu kappen und sich beispielsweise mehr nach Moskau zu orientieren. Aber der Schock über einen Mann im Weißen Haus, der historische Beziehungen ignoriert, sitzt tief.

Dies wird die politische Großwetterlage mehr verändern, als es derzeit absehbar ist. Nicht nur in Europa, aber vor allem dort, muss man sich erstmals ernsthaft damit auseinandersetzen, ob und wie man auch ohne die USA auf der Weltbühne klarkommen könnte. Dass Europa eigene Verantwortung übernehmen sollte, stimmt. Langfristig dürfte die Frage immer lauter werden, welche Rolle die Vereinigten Staaten für die EU noch spielen. Trumps „America first“ ist auf dem Wege zu einem „America alone“ zu werden.

Europa hat unter dem Druck aus Washington mit Geschlossenheit reagiert. Das ist die gute Nachricht dieses Gipfels. Selbst die üblichen Brüssel-Kritiker und Gegner wie Großbritannien, Polen, Ungarn und absehbar möglicherweise auch Italien suchten Schutz in den Armen der Partner. Diese Einigkeit bleibt Europas Stärke in dieser Phase der Attacken von außen.

Wenn die Gemeinschaft sich aber doch irgendwann auseinanderdividieren lassen sollte, hätten alle und jeder verloren. Nicht einmal die großen Mitgliedstaaten wäre dann noch in der Lage, der aggressiven und egoistischen Außenpolitik Trumps die Stirn zu bieten. Das hat Sofia allen spürbar vor Augen geführt.