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Arts Club London
Lehrstunde mit Wissen aus London

Tobias Elliott-Walter hatte in Saarbrücken mit seinen Schilderungen aus der englischen Gastronomie aufmerksame Zuhörer.
Tobias Elliott-Walter hatte in Saarbrücken mit seinen Schilderungen aus der englischen Gastronomie aufmerksame Zuhörer. FOTO: Tobias Ebelshaeuser
Saarbrücken. Saarbrücker Tobias Elliott-Walter machte Karriere in England. Jetzt unterrichtete er an der Schule, wo alles anfing.

Vor 20 Jahren drückte Tobias Elliott-Walter selbst hier die Schulbank. In Saarbrücken wuchs er auf. Mit 17 Jahren begann er hier seine Karriere. Heute ist er in seine alte Schule zurückgekehrt, mit 13 Jahren Berufserfahrung im Gepäck. Deswegen steht er nun am Lehrerpult. Er berichtet dem Nachwuchs in der höheren Berufsfachschule für das Hotel-, Gaststätten- und Fremdenverkehrsgewerbe von seinen Erfahrungen in der internationalen Spitzengastronomie.


Am Technisch-Gewerblichen Berufsbildungszentrum 2 (TGGBZ) Am Mügelsberg machte Elliott-Walter 2001 die Ausbildung zum Fachwirt. Er hängte ein Studium an. Aber nach seinem Abschluss habe er in Deutschland nur Absagen bekommen, erzählt er. Also dachte er sich, er gehe für ein paar Monate nach London. „13 Jahre später bin ich immer noch dort“, sagt er. London sei sein Zuhause geworden. Das ist ihm auch anzuhören, immer wieder wechselt er für ein paar Worte zurück ins Englische, so vertraut ist er mit der Materie, von der er berichtet.

Am Anfang musste er dort Gläser polieren, um die Miete zu bezahlen, erzählt er. Heute ist Elliott-Walter „Director of Operations“ im „Arts Club“ in London. Diese Berufsbezeichnung versuche er bereits seit Langem zu übersetzen, sagt er und lacht. „Im Endeffekt bin ich dafür verantwortlich, dass alles läuft.“



Mit seinem Besuch will er den jungen Leuten von der höheren Berufsfachschule den Weg zeigen, den er damals ging. Er bietet Praktika in London, um den Horizont der Schüler zu erweitern und sie weiterzubilden. Solche Praktika, zwei davon im Ausland, gehören für die Schüler zur Ausbildung. „Wir bilden hier nicht nur fürs Saarland aus, sondern auch für Europa und die Welt“, sagt Joachim Becker, Abteilungsleiter an der höheren Berufsfachschule. „Viele kommen aus der Welt irgendwann zurück ins Saarland und heben hier die Qualität der Gastronomie.“

Elliott-Walter gibt im TGBBZ Einblicke in eine Welt, die einem normalerweise verschlossen bleibt. Der „Arts Club“ wurde 1863 gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte der berühmte Schriftsteller Charles Dickens. Der Club sollte den Rahmen bieten, in dem sich Gleichgesinnte über ihre Ideen unterhalten können.

Im Zweiten Weltkrieg zerstörten deutsche Bomben das Clubhaus in London fast vollständig. Nur ein Teil der Treppe und ein Sofa standen damals noch, wie Elliott-Walter erzählt. Es folgte der Wiederaufbau, und bis heute ist die Verbindung des „Arts Clubs“ zu den Künsten noch essentiell; wer Mitglied werden will, muss entweder selbst Künstler sein, zum Beispiel  Schriftsteller, Musiker, Maler oder Künstler, oder zumindest ein starkes Interesse an der Kunst nachweisen können.

Der 37-Jährige zeigt Bilder von edlen Restaurants, exklusiven Nachtclubs, teuren Hotelzimmern und ansprechenden Kunstwerken, die im Haus des „Art Clubs“ ausgestellt werden. Die Bilder wirken beeindruckend, vielleicht sogar ein wenig einschüchternd.

Unerreichbar wirkt diese Welt nicht, wie Emely Hämmerle sagt. Die 22-jährige besucht die höhere Berufsfachschule. Die Schulstunde mit Elliott-Walter hat sie ermutigt, sich in London zu bewerben. Denn auch der Mann, der heute aus der großen Welt berichtet, habe schließlich hier die Schulbank gedrückt.

Zum Schluss gibt Elliott-Walter den Schülern hauptsächlich eins mit: Auf seinem Weg durch die internationale Spitzen-Gastronomie habe er gelernt, dass alle Erfahrungen auf diesem Weg wichtig waren. Die könne einem keiner mehr nehmen. „Die sind einfach priceless“, also unbezahlbar. Typisch, dass er dabei Deutsch und Englisch mischt.