Insektenschutz: Lebensräume für Tiere schaffen

Insektenschutz : Lebensräume für Tiere schaffen

Wer seinen Garten einfach wachsen lässt, zieht häufig den Unmut seiner Nachbarn auf sich. Dabei kann man ein Paradies für Insekten, Vögel sowie Säugetiere schaffen, wenn altes Holz, Blüten oder Laub einfach liegen bleiben.

() Wer mit Stein, Sand, Holz und Laub Häufchen in seinem Garten aufschichtet, bietet Tieren Lebensräume. Denn dort können sich Igel, Ameisen, Käfer, Eidechsen und Siebenschläfer verstecken und Nahrung finden. Ein Garten mit englischem Rasen sei hingegen lebensfeindlich, sagt Sigrid Tinz, Autorin des Buches „Haufenweise Lebensräume“. Sie plädiert für Unordnung im Garten oder besser gesagt dafür, die Natur einfach mal machen zu lassen. Denn was die Natur schafft, können wir gar nicht so gut simulieren. „Und was nützt es, wenn man einen feingetrimmten Rasen hat und dann in einer Ecke ein Insektenhotel, ein Vogelhäuschen und eine Wasserschale aufstellt. Die Tiere brauchen ja auch Nahrung“, sagt Sigrid Tinz.

Zunächst sollten Hobbygärtner sich fragen: Was will ich? Was ist möglich? Wer bestimmte Tiere beobachten will, kann sie gezielt mit dem passenden Umfeld anlocken. Hummeln mögen Lavendel und Wildblumen, Käfer und Pilze brauchen Totholz, das Kontakt zur Erde hat. Und wer noch einen alten Sandkasten hat, kann daraus leicht ein Käferparadies zaubern. „Auch viele Wildbienen nisten gerne im lockeren Sand. Nicht allen ist mit den typischen Insektenhotels geholfen“, sagt Sigrid Tinz. „Ansonsten einfach mal anfangen und ausprobieren, was gefällt.“

Ein Laubhaufen lasse sich zum Beispiel im Herbst schnell umsetzen: das Laub zusammenrechen und unter den Himbeerstrauch ablegen. „Dann hat es die Pflanze im Winter schön warm und im Frühling genügend Nährstoffe. Wir brauchen weniger Dünger, und die Tiere finden im Laub Unterschlupf und Nahrung.“ Übrigens: Wer größeren Tieren ein frostfreies Winterquartier bieten will, sollte erst eine Grube ausheben und als Zwischenschicht Kiesel reinschütten, damit sich das Wasser dort nicht staut. Dann altes Holz reinschichten, das oben herausragt. Damit das Versteck innen frostfrei bleibt, sollte der Haufen etwa drei Kubikmeter groß sein.

Doch was soll man tun, wenn Nachbarn oder den Partner das Chaos im Garten stört? Manche Menschen wollen, dass der Weg frei von Unkraut ist und der Rasen kurz ist. Wer einen verwilderten Garten als unordentlich empfindet, kann Sand- oder Stein-Haufen etwa mit Hecken, hohen Gräsern oder Pflanzenkübeln kaschieren oder hinter Holzstapeln verstecken. „Grundsätzlich finde ich aber, für einen naturnahen Garten muss sich keiner entschuldigen“, sagt sie. Zumal ein wilder Garten auch weniger Arbeit macht und etwas Gutes für die Tiere ist.

In größeren Gärten kann man fraglos leichter eine abgelegene Ecke testweise umgestalten oder einfach verwildern lassen. Aber auch bei wenig Platz im Garten funktioniert das Ganze, erzählt Sigrid Tinz aus eigener Erfahrung. Es sei möglich, kleine Lebensräume zu schaffen, wenn man sie kreativ plant und künstlich anlegt. „Denn wenn ich warte bis der Apfelbaum in meinem Garten Totholz ist, lebe ich da vielleicht gar nicht mehr“, sagt sie.

„Viele Menschen haben Angst, dass ein verwilderter Garten Tiere wie Mäuse, Ameisen, Fliegen ins Haus lockt“, erzählt Sigrid Tinz aus eigener Erfahrung. Ihrer Beobachtung zufolge, reguliere sich die Natur meist von alleine. Gibt es mehr Käfer, Blattläuse und Ameisen, kommen auch mehr Vögel, die die Insekten fressen. Und Igel freuen sich über mehr Schnecken. „Je wohler sich die Tiere draußen fühlen, desto weniger kommen sie auf die Idee, ins Haus rein zu wollen.“

Oft ist es auch eine Frage der richtigen Umsetzung. Ein Beispiel: Der Kompost im Garten ist eine Philosophie für sich. Wichtig ist hier, dass er die Biomasse schnell zersetzt. Dafür braucht er Kontakt zum Boden sowie den richtigen Standort, damit er weder fault, noch zu trocken ist. „Wenn der Kompost kein Müllhaufen ist, sondern richtig funktioniert, wird er im Inneren so warm, dass sich da Maus und Co gar nicht mehr wohlfühlen“, erklärt Sigrid Tinz.

Je artenreicher der Garten ist, umso wahrscheinlicher ist es auch, dass viele Tiere kommen. „Doch wer bisher rigoros gegärtnert hat und etwa viel Gift eingesetzt hat, hat wahrscheinlich auch viele Nützlinge getötet und vertrieben“, erklärt die Geo-Ökologin. Dann muss sich das natürliche Gleichgewicht erst wieder einpendeln, und das könne laut Tinz durchaus ein paar Jahre dauern.

(dpa)
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