Glosse: Lautes Denken

Glosse : Lautes Denken

Das Selbstgespräch hat einen schlechten Ruf. Gilt es doch völlig zu Unrecht als Zeichen von Zerstreutheit oder Vereinsamung. Ganz anders dagegen verhält es sich mit dem lauten Denken.  Dieses nämlich wird sogar von der Zeitschrift „Eltern family“ empfohlen – damit die Kinder logische Schlussfolgerungen lernen und Entscheidungen verstehen.

Das ist natürlich optimistisch, setzt es doch voraus, dass dem Handeln der Eltern eine gewisse Logik zugrunde liegt. Oder dass sie zumindest vernünftig sagen: „Ist man müde, braucht man Schlaf“ – bevor sie unvernünftig weiterfeiern.

Möglicherweise aber wird die Logik generell total überschätzt. So lassen sich angesehene Berufe wie US-Präsident ausüben, ohne dass auf sie zurückgegriffen wird. Stattdessen ist Donald Trump bereits auf Stufe zwei angelangt: Er übergeht das Denken und twittert direkt laut. Das führt natürlich zum Grundproblem: Soll man auch laut denken, wenn man gar nichts zu denken hat? Sich selbst etwa Denkvorgänge vortäuschen? Antwort gäbe vielleicht ein kundiges Selbstgespräch, bei dem man ganz erhlich zu sich ist. Aber das besser leise.