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Lauer Wahlkampf, spannende Wahl

Peter Stefan Herbst Chefredakteur saarbruecker-zeitung.de/woche Liebe Leserinnen, liebe Leser, schon in neun Wochen wird ein neuer Bundestag gewählt.

Dennoch setzen alle Parteien erkennbar noch auf einen Wahlkampf mit angezogener Handbremse. Dies liegt nicht nur an den Sommerferien, in denen viele Wähler schlecht ansprechbar sind, sondern auch daran, dass sich immer mehr von ihnen erst kurz vor Wahlterminen entscheiden. Trotz rekordverdächtiger Umfragewerte für Angela Merkel ist das Rennen noch offen. Einige Experten halten die Union für ausmobilisiert. Vieles spricht dafür, dass Wähler, die die schwächelnde FDP in den kommenden Wochen noch gewinnen kann, zu großen Teilen von der Union kommen dürften. Peer Steinbrück und die SPD hingegen können nach ihrem Fehlstart noch Boden gut machen. Dies dürfte zwar nicht reichen, um als Erste ins Ziel zu kommen, könnte aber das Aus für Schwarz-Gelb bedeuten.

So lau der Wahlkampf bisher war, so spannend müsste die Schlussphase werden. Wird sie doch diesmal durch zwei schwer kalkulierbare Sonderfaktoren geprägt. Zu einem wird am 15. September in Bayern gewählt. Ein besonders gutes Ergebnis für die CSU könnte der Union bundesweit Rückenwind geben. Aber auch das Gegenteil ist vorstellbar: Eine zu starke CSU kommt außerhalb des Freistaats in der Regel nicht gut an. Zum anderen will das ZDF erstmals am Donnerstag vor der Wahl ein Politbarometer veröffentlichen. Taktische Wähler, die sich stark von Umfragen beeinflussen lassen, dürften heftiger darauf reagieren, weil es das noch nie so nah am Wahltag gab. Wer davon profitiert und wem dies schadet, ist jetzt noch nicht absehbar. Bis zur Auszählung der Stimmen bleibt es spannend.

In diesem Sinne ein schönes Wochenende