Landeskommission des Dorfwettbewerbs in Mandelbachtal

Mandelbachtal : Wittersheim und „Menge“ machten sich fein

Die Orte im Blies- und Mandelbachtal erwarteten dieser Tage Besuch der Landes-Jury zum Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.

„Wenn ihr das heere, gebt’s was se heere“, rief Matthias Gaa am Freitag den 21 Mitgliedern der Landeskommission „Unser Dorf hat Zukunft“ zu. Der Wittersheimer war als Gemeindediener verkleidet und sorgte mit seiner Bimmel immer für Aufmerksamkeit, wenn die einzelnen Personen die zahlreichen Punkte im Wittersheimer Mammut-Programm präsentierten.

„Sie werden hier im Ort kein einziges, uraltes Gebäude finden“, erklärte Wendelin Lonsdorf, als er darauf hinwies, dass 70 Prozent des Ortes im Krieg zerstört wurden. Dass dennoch alles machbar sein müsse, dürfe keine Floskel darstellen, betonte der Vertreter der 620 Einwohner.

Bis 2030 könnte Wittersheim Hunderte seiner Einwohner verlieren. Deshalb schlage der Dorfverein Brücken zwischen Jung und Alt, sagte dessen Vorsitzender Christian Schneider. Dorfhistoriker Heribert Ochs hielt, während die Kommissionsmitglieder fleißig notierten, an Stationen wie der Kriegergedächtniskapelle, der Mühle Hamm und etwa des Kreuzes an Kollas Eck Vorträge.

„Komm‘, wir spielen Schnick-Schnack-Schnuck“, sagte Jurymitglied Regionalverbands-Beigeordneter Manfred Maurer auf dem ehemaligen Schulhof zu einem Kind im Schulhof.

„Wer nutzt die Mitfahrerbank?“, wollte Auersmachers Ortsvorsteher Thomas Unold etwa wissen. „Unser neuestes Projekt“, meinte Wendelin Lonsdorf, stolz über das öffentliche Bücherregal, als man an der Bushaltestelle in der Saargemünder Straße vorbeiging. Die ziert seit Tagen den Schriftzug „Wittersheimer Bücherregal“. Daneben erklärte Christian Schneider die Pläne zur Dorfentwicklung. Mit Kleinbussen ging es auf den Eschehübel, wo Erwin März Alphorn spielte.

Nachdem verschiedene Projekte vorgestellt wurden, wollte Jury-Mitglied Armin Kuphal wissen, wie man mit Hausherren umgeht, die Häuser bunt anmalen ließen und so aus der Reihe tanzten. Siegbert Hacke stellte, wieder im Ort, das Projekt zur Vermeidung von Plastikmüll vor. Auf dem Freundschaftsplatz erwarteten derweil Jean Marie Steinmetz, Bürgermeister von Wittersheim/Elsass und Kurt Wannemacher, der in Knappenuniform an die Bergmannstradition erinnerte.

In Bliesmengen-Bolchen hatten die Organisatoren eigens für den Transport von Jury und Vereinsvertretern einen Bus gechartert, da der Ort weitläufiger ist. An der Bliestalhalle wurde die Kommission von Hans-Bernhard Faas und der Gruppe Brickfield, die in der alten Schulturnhalle ihren Proberaum hat, empfangen. Der Ortsvorsteher sprach von einem historischen Ereignis, da „Menge“ vor 50 Jahren Gold auf Bundesebene holte. 40 Mitlieder aus vier Arbeitskreisen hätte nun nach dem Kreisergebnis „das Fieber gepackt“, so Faas. Dies sei auch an den Slogans „Wo jung unn alt Zusammehalt“ und „Jede Menge drin“ deutlich spürbar. Der Ritter Bolch von Mengen (Manuel Filgraff) sorgte bei etlichen Mitgliedern der Landeskommission regelmäßig für Spaß. Seine Aufgabe war es nämlich nicht nur, in den Ortsfarben und mit dem Wappen auf dem Schild an die Vergangenheit zu erinnern. Nur mit „Aufsitzen bitte!“ schaffte er es, dass der stramme Zeitplan eingehalten werden konnte. Im Jugendclub erfuhren die Mitglieder der Landeskommission, was es mit dem Facebook-Auftritt des Ortes und der Dorfentwicklung auf sich hat und wie die Pläne zur energetischen Erneuerung des Sportheimes aussehen. Währenddessen fuhr ein Teil der Bewerter im Traktoranhänger mit Landschaftsführer Jan Flieger und weiteren Ortsvertretern zu den Stellen von „Menge“, die mit dem Bus nicht zugänglich waren. Die Anderen besuchten derweil die Seniorenbegegnung beim DRK-Ortsverein. In der ehemaligen Pfarrkirche St. Petrus in Ketten präsentierten sich die Vereine mit Stellwänden. Knapp 1900 Einwohner hat „Menge“ mit gut 30 Vereinen. „Das gibt einen Extrapunkt“, scherzte ein Jurymitglied, da die Feuerwehr die Straße kurz sperrte, um das Überqueren zu ermöglichen.

An der Fährmannsbrücke gab es unter anderem Auftritte einer Gesangsgruppe sowie einiger Drehorgelspieler. „Das hatten wir auch noch nie“, meinte ein Kommissionsmitglied, als man auf der Naturbühne nicht nur Auszüge aus Stücken der beendeten Saison gespielt bekam. Erzähler Michael Nagel führte humorvoll in das Leben hinter den Kulissen ein.

Anne Kerber erklärt in der ehemaligen Pfarrkirche St. Peter der Landeskommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ ihre Technik von HISTOpopART während alle Vereine sich vorstellten. Foto: Jörg Martin

Der Sieg im Land ging jedoch am Ende an Oberesch aus der Gemeinde Rehlingen-Siersburg. > Seite B 1

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