Land zögert bei Erweiterung des Mechatronik-Zentrums Zema

Land zögert bei Erweiterung des Mechatronik-Zentrums Zema

Das Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik (Zema) ist Opfer des eigenen Erfolgs. Aufgrund vieler Forschungsaufträge platzt es aus allen Nähten. Doch das Land lässt sich mit der Bewilligung von Erweiterungsplänen Zeit.

Die Industrie ist im Umbruch, neue Produktionsmethoden werden auf breiter Front erforscht und entwickelt. Zu einer dieser Brutstätten für frische Ideen hat sich auch das Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik (Zema) in Saarbrücken entwickelt. Das Ganze ist eine Erfolgsgeschichte. "Die Zahl der Mitarbeiter hat sich allein seit 2012 von 20 auf knapp 90 erhöht", sagen die Geschäftsführer Rainer Müller und Jochen Flackus. "Doch wir sind das Opfer unseres eigenen Erfolgs." Denn räumlich platzt das Zema aus allen Nähten. Projekte müssen gestreckt, die Auftraggeber vertröstet werden. Die Geschäftsführung hat inzwischen Büro-Container geordert. Diese werden auf dem Parkplatz aufgestellt, um Platz in der 1200 Quadratmeter großen Zema-Halle am Eschberger Weg in Saarbrücken zu schaffen.

"Alle Schreibtische belegt"

Dabei wäre eine Erweiterung der Fläche keine Riesensache. Es existiert bereits eine rund 1800 Quadratmeter große Halle, die leer steht und die das Zema als Lager nutzt. Es müsste nur ein Durchbruch geschaffen und die zweite Halle so hergerichtet werden, dass dort Forschung möglich wird. Rund zwei Millionen Euro würde das Ganze nach Schätzung der Geschäftsführung kosten. Die Immobilie gehört dem Land. Doch die Hochschulabteilung in der Staatskanzlei lässt sich mit der Bewilligung Zeit. Seit knapp zwei Jahren liegt dort der Erweiterungsantrag.

In der Staatskanzlei heißt es dazu, dass noch "verschiedene Faktoren berücksichtigt werden müssen" - wie zum Beispiel "die endgültige Größe der Erweiterung basierend auf einer validen Entwicklungsprognose für das Zema". Geklärt werden müsse außerdem, wer die Erweiterung und die Folgekosten finanziert. "Die Abstimmungen hierzu befinden sich zur Zeit in der finalen Phase mit dem Zema und seinen Gremien", heißt es weiter. Die Höhe der Erweiterungskosten "hängt von der gewählten Art der Umsetzung ab und kann zur Zeit noch nicht belastbar beziffert werden".

Auch die Hochschullehrer, die am Zema forschen, sind sauer. "Ich bin mit meiner Gruppe an der Kapazitätsgrenze", klagt Professor Günter Schultes, Leiter des Studiengangs Mechatronik und Sensortechnik an der HTW. "Ich beschäftige im Zema 20 Leute. Alle Schreibtische sind belegt." Schultes entwickelt unter anderem neue Drucksensoren für den Hydraulik-Bereich. Ähnlich ergeht es Professor Andreas Schütze, Chef des Lehrstuhls Messtechnik an der Saar-Universität und in der gleichen Disziplin Gruppenleiter beim Zema. "Bei Anfragen für ein neues Projekt bekomme ich schon Schweißausbrüche", klagt er. "Für größere Versuchsaufbauten haben wir einfach keinen Platz mehr." Dabei "beneiden uns andere Hochschulen um das, was wir mit dem Zema geschaffen haben".

Auch das Zentrum selbst hat etliche Vorhaben in der Pipeline. "Wir erforschen hier unter anderem, wie sich Menschen und Roboter künftig die Arbeit sinnvoll aufteilen können", erläutern Müller und Flackus. "Mitarbeiter in der Produktion sollen ihren elektromechanischen Kollegen so programmieren können, dass er sie bei Schweißarbeiten unterstützt", nennt Müller als Beispiel. "Der Roboter schweißt die einfachen Nähte, der Mensch ist für die versteckten Stellen zuständig."

Aufträge kommen unter anderem aus der Autoindustrie. Komplette Autokarossen sind in der Halle aufgebaut, um neue Montagetechniken auszuprobieren. "Solche Versuchsanordnungen beanspruchen einfach viel Platz", sagen die Zema-Chefs.

Auch die Flugzeugindustrie lässt in Saarbrücken forschen. Für die Airbus-Tochter Premium Aerotec loten die Zema-Forscher aus, ob sich kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe für den Flugzeugbau eignen. Wenn der Platz vorhanden ist, soll der Heckteil eines Flugzeugs beim Zema aufgestellt werden. Hier will man herausfinden, wie ein Arbeiter im Zusammenspiel mit einem Roboter die Nieten anbringen kann. Der Mensch treibt die Niete in die Außenhaut, der Roboter drückt sie im Innern des Rumpfs platt. "Das müssen bisher Menschen machen - in gebückter Haltung und einem hohen Lärmpegel ausgesetzt", erläutert Müller.

Meinung:

Taten statt Worte

Von SZ-RedakteurLothar Warscheid

Es verwundert schon, dass das Saarland derzeit an einem neuen Zukunftskonzept für den Industriestandort feilt, bei dem auch ein saarländisches Zentrum für die Industrieproduktion der Zukunft (Industrie 4.0) vorgesehen ist. Mit dem Zema existiert jedoch schon ein solches Zentrum. Dessen Weiterentwicklung scheitert jedoch an einem relativ kleinen Millionenbetrag. Wenn es daran hakt, ist der große Industriekongress, der für den 20. April geplant ist, eine reine Schaufenster-Veranstaltung - schöne Reden und nichts dahinter. Die Zukunft der Saar-Industrie macht sich an Taten fest und nicht an Worten. Derer sind genug gewechselt.

Zum Thema:

HintergrundDas Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik (Zema) gibt es seit sechs Jahren. Träger sind die Saar-Universität, die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) sowie das Land. Es hat die Aufgabe, die anwendungsbezogene Forschung zu fördern, ingenieurwissenschaftlichen Nachwuchs auszubilden und den Technologietransfer durch Kooperationen mit der Wirtschaft nach vorne zu bringen. Die Finanzierung steht auf drei Säulen. Das Land steuert jährlich rund 1,3 Millionen Euro bei. Darüber hinaus wirbt das Zentrum öffentlich geförderte Forschungsprojekte ein. Drittes Standbein sind Forschungsaufträge, die direkt von der Industrie kommen. low