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Kunst am Bau

Metz. Schon im Bahnhof wartet die erste Sensation: Im gewöhnlich verschlossenen, imposanten Saal des einstigen Restaurants "La Chope" rattert ein echter Jean Tinguely: "L'enfer, un petit début", eine Riesenmaschine, an der sich Micky-Maus- und Elchköpfe mit allerlei Fundstücken und der Handtasche von Tinguelys Mutter drehen Von SZ-Mitarbeiterin Silvia Buss

Metz. Schon im Bahnhof wartet die erste Sensation: Im gewöhnlich verschlossenen, imposanten Saal des einstigen Restaurants "La Chope" rattert ein echter Jean Tinguely: "L'enfer, un petit début", eine Riesenmaschine, an der sich Micky-Maus- und Elchköpfe mit allerlei Fundstücken und der Handtasche von Tinguelys Mutter drehen. Der "kleine Ausblick auf die Hölle" gehört dem Pariser Centre Pompidou und war dort ob seiner Größe bisher noch nie zu sehen. Nun eröffnet er den Parcours mit ausgewählten Werken aus der weltweit größten Sammlung von zeitgenössischer und Gegenwarts-Kunst. So wollen die Franzosen einen Vorgeschmack bieten, was uns bald im Metzer Centre Pompidou (CPM), unter dem spektakulären Chinahut-Dach des Architekten Shigeru Ban erwartet.


Ursprünglich für 2007 angepeilt, soll der erste Ableger des Pariser Kunsttempels jetzt in der ersten Jahreshälfte 2010 eröffnungsreif sein. Während man sich in Saarbrücken noch immer um den Erweiterungsbau des Saarlandmuseums streitet, zeigen die Franzosen wieder einmal, dass sie es verstehen, große Ereignisse schon im Vorfeld gebührend zu feiern. 34 000 Besucher, so die offiziellen Angaben, strömten am vergangenen Eröffnungswochenende zu "Constellation": Bis Anfang Oktober lädt die Schau an zahlreichen Kulturstätten von Metz, dem Departement, bis hin nach Luxemburg und dem Saarland, wo sich das Saarlandmuseum und die Völklinger Hütte beteiligen, zum Rendezvous mit der Kunst ein.

Der Blick auf die Baustelle des CPM hinter dem Bahnhof lohnt - und wird zugleich humorvoll in einer Fotoausstellung im Arsenal von mehreren Künstlern thematisiert. Gleich neben dem Arsenal, in der Templerkapelle, hat Guillaume Leblon einen goldenen Sarkophag installiert; zwei Schritte weiter, in der Eglise Saint-Pierre-aux-Nonnains, lässt der Brite Anthony McCall in seiner Film-Skulptur von 1973 einen Lichtkegel aus Nebel entstehen. Mit Alexander Calders Mobiles und Filmen von Dadaist Hans Richter präsentieren auch die "Musées de la cour d'or" fast schon einen Klassiker, wogegen das FRAC mit dem Brasilianer Cildo Meireles wie stets auf Avantgarde setzt. Hier ergießen sich zum Thema (kulturelle) "Einverleibung - Assimilation" 5000 Kilometer Fäden durch sämtliche Räume. Nicht versäumen sollte man auch Daniel Burens Fähnchen-Streifen in der Rue Serpenoise - sie zeigen, was den Franzosen so gut gelingt: Der zeitgenössischen Kunst einen Volksfest-Charakter zu geben. In Metz ist für jeden etwas dabei.

Infos und Broschüren im Tourismusbüro und im CPM-Projektehaus am Bahnhof.