Kunst als Herrschaftsinstrument

Baden-Baden. "Die Künstler der Kaiser: Von Dürer bis Tizian, von Rubens bis Vélazquez" heißt der Titel, da wird einem gleich klar, dass man hier was bekommt für sein Eintrittsgeld: Geboten wird eine Parade berühmter Künstlernamen, geadelt durch den Stempel "aus dem kunsthistorischen Museum Wien"

 Judith mit dem Haupt des Holofernes und einer Dienerin (nach 1537) von Lucas Cranach.Foto: Kunsthistorisches Museum Wien

Judith mit dem Haupt des Holofernes und einer Dienerin (nach 1537) von Lucas Cranach.Foto: Kunsthistorisches Museum Wien

Baden-Baden. "Die Künstler der Kaiser: Von Dürer bis Tizian, von Rubens bis Vélazquez" heißt der Titel, da wird einem gleich klar, dass man hier was bekommt für sein Eintrittsgeld: Geboten wird eine Parade berühmter Künstlernamen, geadelt durch den Stempel "aus dem kunsthistorischen Museum Wien".

Klingt nach einer Schau, die voll wird und ein bisschen marktschreierisch. Aber im Museum Frieder Burda ist dann doch ein bisschen mehr zu sehen als nur ein "Best of"-Event und volle Säle. Zwar wird mit großen Namen geprahlt, doch die Ausstellung erschöpft sich nicht darin.

Der Kurator Götz Adriani hat bei seiner Auswahl nicht nur kunsthistorisch, sondern auch historisch gedacht. Die Familie Habsburg und ihre Beziehung zur Kunst ist gleichermaßen der rote Faden, der einen leitet, wie auch die zweite Ebene, die zum genaueren Blick, zum weiterführenden Gedanken anregt.

Und um diese Geschichte zu erzählen, wagt Adriani verhältnismäßig Unpopuläres: Der größte und höchste Raum des Richard Meier Baus, sonst meist spektakulär bespielt mit riesenhaften bunt-zeitgenössischen Gerhard-Richters oder Sigmar-Polkes, ist reserviert für fünf Wandteppiche von Judocus de Vos nach Vorlagen von Jan Cornelisz Vermeyen. Die Künstler sind also keine Stars, und die Technik ist solides Teppichknüpfen statt geniales Pinselschwingen. Und dennoch verweilen die Besucher hier ebenso fasziniert wie weiter oben vor Tizian und Dürer. Vielleicht, weil man die Gobelins in den lichten, modernen Räumen viel besser studieren und würdigen kann als in den dusteren Schlössern, die meist ihre Heimat sind.

Und ganz sicher auch, weil hier ohne viele Worte deutlich wird, wie wichtig die Kunst war, um Herrscher zu Herrschern zu machen: Bilderreich und etwas blutrünstig erzählen die Teppiche von Karl dem Großen und seiner ruhmreichen Schlacht bei Tunis mit groß komponiertem Schlachtengetümmel und fein gearbeiteten Einzelheiten, etwa die frappierend fein gewebten Schattierungen, die den Gewändern den Glanz von Seide verleihen oder die fein ziselierten Verzierungen auf einer goldenen Wasserkanne, aus der die Krieger versorgt werden.

Der Gesamteindruck ist überwältigend - genau so, wie es schon immer beabsichtigt war. Auf diesen Blickwinkel also wird man im ersten Raum eingestimmt - und er verlässt einen nie ganz, nicht nur, wenn man die Herrscherporträts betrachtet und die sich leise wandelnde Art der Selbstdarstellung, die sie verkörpern; nein, alle diese Schätze - erfreulicherweise auch Skulpturen und Kunstgewerbe - gewinnen an Aussage. Sogar das goldene indische Tafelbesteck oder die herzförmige Schildplatt-Flasche aus Mexiko: Weit gereist, gebildet, reich selbst im Alltag muss der Herrscher sein, der so etwas sammelt.

Natürlich wird auch klar, dass die Habsburger doch einen guten Riecher hatten. Holbein und Cranach, Rubens und Dyck, Tintoretto und Veronese sind in der Sammlung vertreten, und das in hoher Qualität. Und daneben kleine Köstlichkeiten: ein Selbstbildnis der Sofonisba Anguissola aus dem Jahr 1554, eine der ersten großen Alten Meisterinnen. Oder die ausdrucksstarke Landschaft von Thomas Gainsborough. Baden-Baden ist sicher eine Reise wert.

Läuft bis 14. Juni.

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