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Til Schweiger in Saarbrücken beim Ophüls-Festival
„Das ist Schwachsinn“

 Til Schweiger mit Moderatorin Dafne-Maria Fiedler.
Til Schweiger mit Moderatorin Dafne-Maria Fiedler. FOTO: ffmop / Oliver Dietze / Oliver Dietze
Saarbrücken. Til Schweiger ist zu Gast beim Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken. Heute mittag gab es mit ihm ein Werkstattgespräch im Saarbrücker Cinestar. Ein lockerer Schweiger plauderte über seine Karriere, über Dieter Hallervorden, seinen nächsten „Tatort“ und über Quentin Tarantino, dem er „Machtmissbrauch“ am Set vorwirft. Von Tobias Kessler
Tobias Kessler

Gut war’s mit Til Schweiger, ob man seine Filme nun liebt oder nicht. Anderthalb Stunden plauderte der Schauspieler, Regisseur, Produzent (und von der Filmkritik gerne Geschmähte und Zurückschmähende) am Samstagmittag im Saarbrücker Cinestar. Er war bei der 40. Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis einer der Jubiläumsgäste, hatte er doch 1993 in Saarbrücken den Preis als bester Nachwuchsdarsteller gewonnen, für den Boxerfilm „Ebbies Bluff“ von Claude-Oliver Rudolph. Sein erster Preis sei das damals gewesen, eine tolle Sache und irgendwie ein Trost für das weitere Schicksal des Films, der kommerziell zu Boden ging. Die Premiere des Films fand damals im selben Kino statt wie ein Jahr zuvor die Premiere von „Manta Manta“ – doch dort sei das ein Riesenbahnhof gewesen, erzählte Schweiger, mit einem per Hubschrauber einschwebenden Produzenten (Bernd Eichinger). Ein Jahr später, bei „Ebbies Bluff“, war das anders: „Da mussten wir uns im Kino durchfragen, um überhaupt rauszukriegen, in welchem Saal unsere Vorstellung ist.“


Was erfuhr man sonst von einem ziemlich lockeren Schweiger im Gespräch, das Dafne-Maria Fiedler im gut gefüllten Saal 6 leitete? Etwa, dass sich Schweiger nach freudlosen drei Semestern Medizinstudium („Damit meine Eltern Ruhe geben“) bis zum 30. Geburtstag Zeit gab, um es als Schauspieler zu schaffen – „ansonsten hätte ich nochmal etwas Anderes gemacht“. Zum Schreiben und Inszenieren kam er über die Einsicht, dass man als „als Schauspieler nur ein Zahnrad in einem Riesenräderwerk“ sei. Mit den eigenen Kindern zu drehen, sei einerseits wunderbar, „weil man gemeinsame Lebenszeit verbringt“ – aber es sei auch schwierig, einer Vierjährigen zu erklären, dass sie einen Satz für eine neue Aufnahmen wiederholen müsse: „Das habe ich doch schon mal gesagt.“

 Schweiger im Cinestar.
Schweiger im Cinestar. FOTO: ffmop / Oliver Dietze / Oliver Dietze


Mit Dieter Hallervorden, der die Rolle des dementen Großvaters in Schweigers „Honig im Kopf“ spielte, scheint es aus Schweigers Sicht auch nicht ganz einfach gewesen zu sein. (Umgekehrt möglicherweise auch). Da verwies er nur auf eine Geschichte aus dem „Stern“ mit dem Titel „Ziemlich beste Feinde“ und garnierte das mit dem typisch Schweigerschen „hähä“. Bei den Dreharbeiten wäre man gerne dabei gewesen.

Auf die Publikumsfrage, ob er denn statt seiner „Mainstream-Filme“ auch mal „Arthouse-Filme“ drehen wolle, erklärte Schweiger schon diese Begriffe als unsinnig, „das ist Schwachsinn“. Ihm seien solche Einteilungen im Kino „scheißegal - der Film darf mich nur nicht langweilen“.

FOTO: ffmop / Oliver Dietze / Oliver Dietze

Seinen international bekanntesten Auftritt hatte Schweiger in Quentin Tarantinos Kriegsfilm „Inglourious Basterds“ vor zehn Jahren. Ganz glücklich war die Zusammenarbeit in seinen Augen nicht. Denn Tarantino bestehe darauf, Schauspieler auch aufs Set zu bitten, wenn die bei Szenen gar nicht im Bild zu sehen sein - auch als Filmleiche müsse man ewig herumliegen, außerhalb des Kameraausschnitts, einfach weil der Regisseur es so will. Für Schweiger „eine Machtdemonstration und ein Machtmissbrauch“. Sein Fazit zur Zusammenarbeit mit Tarantino, den er als Autor sehr schätzt. „Einmal und nie wieder.“ Und doch sei Tarantinos Angebot, in seinem kommenden Film „Once upon a time in Hollywood“ über die „James-Mason-Morde“ (Schweiger meinte die Charles-Manson-Morde 1969, mit denen der britische Edelmime Mason nun wirklich nichts zu tun hatte) mitzuspielen, sehr verlockend gewesen. „Aber ich sollte Steve McQueen spielen. Ohne Text gerne – aber dieses Amerikanisch kriege ich nicht hin. Und dann auch noch McQueen.“

Dann lieber den nächsten „Tatort“, dessen Dreharbeiten im März beginnen sollen. Die massive Action der Vorgänger-Episoden und auch des Kino-„Tatorts“ werden nicht mehr geboten, sagte Schweiger, das sei ausgereizt und nicht zu toppen. Und, was seinen mäßig erfolgreichen Kino-„Tatort“ angeht: „Kein Schwein interessiert sich für Action aus Deutschland.“

Und zum Thema Filmkritik, die es nicht immer gut meint mit Schweigers Filmen? Als Kind habe er sein Taschengeld ins Kino getragen und sich dabei an der „Frankfurter Rundschau“ orientiert, die seine Eltern im Abo hatten. „Ich habe mir immer die Filme mit den Verrissen angeschaut, weil ich dachte, dass das die wirklich guten Filme sind – die Trefferquote lag bei 100 Prozent.“ Mittlerweile sei sein vorher festes Weltbild dann doch erschüttert. Er habe sich sehr auf die Netflix-Serie „Dogs of Berlin“ gefreut, gerade weil die Kritiken so schlecht ausgefallen sein. Der Schock: Er findet die Serie so schlecht wie die Kritiker. Man kann sich eben auf nichts mehr verlassen.