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„Sonntags ans Schloss“ in Saarbrücken
Musik quer durch die Jahrhunderte mit ganz eigener Würze

Saarbrücken. Zum Abschluss der Saarbrücker Reihe „Sonntags ans Schloss“ begeisterte die saarländische Formation „The Art of Schwanengesang“ mit experimentellem Pop. Von Stefan Uhrmacher

Wer meint, in den Zeiten von Dudelfunk und Downloads sei experimenteller Art-Pop ausgestorben, der wurde im gut besuchten Saarbrücker Schlossgarten eines Besseren belehrt: Zur finalen Soiree der Reihe „Sonntags ans Schloss“ servierte Claude Adam-Brettar, künstlerischer Leiter vom Kulturforum des Regionalverbands, am vergangenen Wochenende das saarländische Trio „The Art of Schwanengesang“ (TAoS). Fernab jeder Scheuklappen musizierten TAoS zwischen den Genres und quer durch die Jahrhunderte: nach Renaissance-Noten von John Dowland, Frühbarockem von Johann Schein, Romantischem von Schubert bis hin zu Popular-Klassikern à la Dylan, Beatles, Hendrix, Bowie und King Crimson. Und dazu selbstgebraute Weisen zu Worten von Shakespeare oder Eduard Mörike. Gewiss keine leichte Kost und weit und breit einzigartig, aber dennoch qualitativ beinahe ein Griff auf Nummer sicher – gibt es TAoS doch bereits über zwei Jahrzehnte mit einem Kernduo.


Die Gründungsmannen sind Pete Eifel (Gesang, E-Bass) und Thomas Schmidt (Gitarre). Eifel grundierte hier einmal mehr mit satten, organischen E-Bass-Tönen, erfreute am Gesangsmikrofon mit lässigem Sprechgesang und druckvollem Shouting. Das Wichtigste: Eifels markante vokale Sprünge ins Falsett klappten nach wie vor beeindruckend. Avantgardist im Team ist mehr denn je Thomas Schmidt: Mittels Elektronik entlockte er seiner Akustikgitarre immer wieder neue Farbnuancen und verpasste dem TAoS-Sound mit außergewöhnlichen Soli die ultimative „schräge“ Würze.

Gewechselt hat in der Band-Historie mehrfach der Schlagwerker; seinen erst zweiten Auftritt hatte nun Bernd Wegener: Wie seine Mitstreiter ist der Neuzugang (Drumset, Perkussion) ein alter Hase der Saar-Musikszene, unter dessen Händen selbst schlichte Beats ungemein stimulierend wirken. Ergebnis: Wegeners geradlinig-sonore Grooves ließen TAoS wieder aufregend neu tönen und animierten das gesamte Team zu modifizierten Versionen. So wurden selbst langjährige Kenner mit einer Fülle ungewohnter Details überrascht. Nach einer etwas zögerlichen Warmspielphase mit Schwächen der Lautstärke-Abmischung musizierte diese Ausnahme-Band schließlich so mitreißend, dass sich vor der Bühne sogar einige Tänzer bewegten und Zugabenwünsche erfüllt wurden.