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Ein wichtiger „Stepp“ in der Geschichte Irlands
Tanz in die Freiheit: „Rhythm of the dance“

Ken Cavanagh
Ken Cavanagh FOTO: Wim Lanser / National Dance company of ireland
In Hayes in England konnte die SZ die neue Show von Rhythm Of The Dance live erleben. Bald ist sie auch im Saarland zu sehen.

Die Spannung steigt, denn mehr und mehr junge und offensichtlich trainierte Tänzer laufen aufgeregt auf die Bühne. Mit mehr als 20 an der Zahl sind sie komplett. Währenddessen bereitet der leitende Tänzer akribisch die Bühne vor. Endlich steht eine ganze Horde ambitionierter Künstler auf der Bühne – es ist die Generalprobe von „Rhythm of the dance“. Es bietet sich ein für die letzte Probe gewohnt zerstreuter Anblick, doch die Stimmung ist ausgelassen.



Der Produzent der Show, Ken Cavanagh, schraubt die Erwartungen hoch: „An die 25 Kostümwechsel, zwei Stunden Probe täglich und weitere zwei Stunden Liveauftritt während einer Tour, ein Eimer voll Eis und über 50 durchtourte Länder in mittlerweile 20 Jahren ‚Rhythm of the dance’ haben wir zu bieten!“ Er erklärt, nach solch einer Show liebten die 25 Tänzer es, sich die Knöchel in einem Eimer voller Eis zu kühlen. „Beim Auftritt in Merzig in der Stadthalle letztes Jahr war es so kalt, dass wir einfach einen Eimer Wasser hinaus stellten, der zu Eis wurde“, fügt er lächelnd hinzu. Außerdem sei die Gruppe seit 1998 jedes Jahr in Deutschland gewesen. „In unserer Akademie, der ‚National dance company of Ireland’, trainieren wir Tänzer von ihrem vierten Lebensjahr an, bis sie 17 oder 18 Jahre alt sind“, sagt Cavanagh weiterhin. Ab dem Zeitpunkt würden sie normalerweise anfangen, in der Show aufzutreten. „Die Mitglieder in unserem aktuellen Team sind zwischen 19 und 24 Jahren alt“, fügt der Produzent hinzu.

Während der Vorführung zeigt eine Leinwand Ausschnitte aus der irischen Geschichte, szenengerechte Landschaften und passende Bilder, die die Darstellung unterstreichen. Los geht es im Weltkulturerbe Newgrange mit dem Bild der aufgehenden Sonne, während die Tänzer nach und nach auf der Bühne erscheinen. Der zweite Tanz heißt „Dancing at the Crossroads“, wonach es in die Haupt- und Handelsstadt Dublin geht. Diese Lieder handeln vom Vergangenen und erzählen Märchen über Irland. Darauf folgt ein reiner Männertanz, bei dem die Tänzer echte Stärke durch ihre Schritte beweisen wollen. Im Kontrast dazu steht der nächste Tanz. Ein „Slip jig“ zeigt, mit welcher Leichtigkeit sich die Frauen in weichen Steppschuhen, früher ohne, bewegen. Es geht weiter mit einem Bodhran solo, bei dem echte Trommelkunst gefordert wird. Gefeiert wird danach in „the Gathering“, das sich bald in „the Fireside“ verwandelt. Beides musikalische Stücke, die die Ruhe vor dem Sturm bedeuten. Denn darauf folgt „the Departing“, besungen mit dem Lied „Isle of hope, isle of tears“. „Life is but a dream“ ist das letzte Stück des ersten Akts und sagt an: „Wir lassen alles hinter uns, aber lasst uns nicht traurig sein, lasst uns feiern“, ganz im irischen Stil.

Die bedeutendsten Instrumente bei „Rhythm of the dance“ sind Pfeifen, Flöten und die Bodhran, eine irische Trommel. Sie spielen eine wichtige Rolle in der irischen Volksmusik und unterstützen, ganz besonders im Falle der Bodhran, den Stepptanz. Zusätzlich lassen die durchschnittlich fünf bis sechs Musiker ein Akkordeon und eine Violine bei den meisten Auftritten erklingen. Nicht zu vergessen sind auch die Stimmkünstler. Darunter meist zwei Sänger und eine Sängerin, die Abwechslung in die Vorführung bringen.

Nach einer kurzen Pause geht es weiter in der Geschichte Irlands. Im Musical wird noch immer die neue Heimat gefeiert. Zuerst mit dem Tanz „Dawn’s first light“. Hinterher wird die Freude in „Caledonia“ besungen. Nachdem die Bodhran erneut gegen einige männliche Stepptänzer antritt, zeigt eine ganz in schwarz gekleidete Tänzerin den altertümlichen Sean-nós-Tanz. Er zeigt, wie leichtfüßig das Steppen einst vonstatten ging. Dabei wird durch eine klassische Stepptänzerin der gewaltige Unterschied der beiden Tanzrichtungen gezeigt. Es ist Zeit für die 20er Jahre. Dazu wird eine Jazz-Vorführung mit Charleston-Elementen geboten. Hierin wird das Leben der Iren in Amerika beschrieben. Zum Schluss geben alle Tänzer, Musiker und Sänger noch einmal ihr Bestes, als sie sich auf der Bühne vereinen und eine kurze Zusammenfassung dessen zum Besten geben, was die tänzerische Geschichte Irlands zu bieten hat.



Geschichtlich im Hier und Jetzt angekommen, hat die Vorstellung von „Rhythm of the dance“ ihr Ziel erreicht. Ein Schiff nach Irland – das wäre jetzt das Richtige.

Männliche Tänzer bei "Rhythm of the dance"
Männliche Tänzer bei "Rhythm of the dance" FOTO: Wim Lanser / National Dance company of ireland
Musiker bei „Rhythm of the dance“
Musiker bei „Rhythm of the dance“ FOTO: Wim Lanser / National Dance company of ireland
Rhythm of the dance
Rhythm of the dance FOTO: Wim Lanser
(asg)