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Kunstausstellung
Zwei Schwestern, ein Ziel, zwei Wege

Ilse Heller-Lazards undatiertes, bezwingendes Gemälde „Straßengabelung“.
Ilse Heller-Lazards undatiertes, bezwingendes Gemälde „Straßengabelung“. FOTO: Matthas Heller
Saarlouis. Die Saarlouiser Galerie Ludwig erinnert in einer Ausstellung an das ungleiche künstlerische Werk der Schwestern Laz(s)ard.

(cis) Die eine hat ein überschaubares Werk von knapp 150 Bildern hinterlassen, die andere ist alleine mit über 2000 Werken im Straßburger Musée d‘Art Moderne vertreten. Quantität und Qualität aber haben bekanntlich oft nichts miteinander zu tun, wie der Vergleich der nun in der Galerie Ludwig erstmals überhaupt zusammengebrachten Werke von Ilse Heller-Lazard (1884-1934) und ihrer Schwester Lou Albert-Lasard (1885-1969) offenbart. Ist das dem Umfang nach ungleich schmalere Werk der älteren der beiden Laz(s)ard-Schwestern doch das ungleich interessantere.



Umso mehr begreift man das Bemühen von Matthias Heller, Sohn von Heller-Lazards zweitem Ehemann Ernst Heller, ihr bis dato kaum gewürdigtes malerisches Werk zu protegieren und in Erinnerung zu rufen. In Metz als Töchter des Saarlouiser Bankiers Leopold Lazard und der Deutsch-Amerikanerin Jenny Stein geboren, trennten sich die Wege der Schwestern zwar bereits um 1914; ihre Ziele aber einten sie weiter. Beide widmeten sich früh der Kunst, besuchten Meisterkurse und suchten ihren eigenen Stil. Während die Kunst von Lou Albert-Lasard (sieht man von einigen Porträtzeichnungen und einem bemerkenswerten Bildnis Rilkes ab, mit dem sie zeitweilig befreundet war) in Sujets, Esprit, Pinsel- und Strichführung bescheiden und konventionell anmutet, überzeugt die Landschafts- und Porträtmalerei Heller-Lazards durch ihre ausgereifte Komposition, atmosphärische Dichte und ihren teils expressionistisch aufgeladenen Farbausdruck. Man ahnt, was aus ihr hätte werden können, wäre sie nicht früh an Brustkrebs gestorben.

Umso bedauerlicher ist, dass die gut 120 Werke der Laz(s)ard-Schwestern in den vor vier Monaten bezogenen neuen Galerie-Räumlichkeiten in der Kaserne VI aufgrund einer alles andere als museumstauglichen Lichtführung nicht immer zur Geltung kommen. Man kann nur hoffen, dass die Stadt bald das nötige Geld zur Verfügung stellt, um hier Abhilfe zu schaffen.

Bis 8. April. Di-Fr: 10 bis 13 Uhr und
14 bis 17 Uhr, Sa-So: 14 bis 17 Uhr.