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Luxemburger Autor und Verleger
Zum Tod des Schriftstellers Georges Hausemer

Luxemburg/Saarbrücken. Im Alter von 61 Jahren ist der luxemburgische Schriftsteller und Verleger Georges Hausemer einer Krebserkrankung erlegen, die er seit April 2016 in einem „Ich und mein Tumor“ betitelten Blog in 75 Folgen offen thematisiert hatte: Klinikaufenthalte, Nebenwirkungen der Medikamente, „das Tier in mir“, Ängste, Hoffnungen und Reiseimpressionen. Von Christoph Schreiner
Christoph Schreiner

Der letzte Blog-Eintrag datierte vom 9. Juni.


Zuletzt war Hausemer im Oktober 2017 mit dem Prix Batty Weber geehrt worden – einem der bedeutendsten Kulturpreise des Großherzogtums. Dessen Literaturbetrieb prägte Hausemer über Jahrzehnte hinweg wie wenig andere Autoren: Seit den 80er Jahren gab er nicht nur zahlreiche Anthologien heraus (zuletzt den Band „Luxemburg: das einzigartigste Großherzogtum der Welt“), war 1986 Mitbegründer des „Lëtzebuerger Schrëftstellerverbands“, organisierte viele Literaturabende und arbeitete lange als Verlagslektor und Übersetzer – unter anderem übertrug er Romane von Roger Manderscheid, Emmanuel Carrère und Emmanuel Bove. 2012 gründete er mit seiner Frau Susanne Jaspers mit „capybarabooks“ dann seinen eigenen Verlag, in dem auch Hausemers Erzählbände und Reisebücher erschienen. Dass er sich insbesondere als Reiseschriftsteller über die Region hinaus einen Namen machte, war seiner Lust am Fremden geschuldet, die ihn in viele Weltregionen führte. Reisetexte von ihm erschienen in zahlreichen Zeitungen und Magazinen.

1957 in Differdingen geboren, machte Georges Hausemer schon in den 80er Jahren das Schreiben zum Beruf, lebte lange Zeit in Esch und Luxemburg-Stadt, ehe er in den vergangenen Jahren das baskische San Sebastián sowie ein Dorf in der Eifel zu seinem Lebensmittelpunkt machte. Hausemers Publikationsliste ist von bemerkenswertem Umfang. Er war ein Vielschreiber, der außer Romanen Erzählungen und Lyrik immer wieder auch journalistische Formen (Reportagen, Reiseführer, ja selbst Kochbücher) pflegte. Hier wie dort ging es Hausemer darum, Vordergründigkeiten und Klischees beiseite zu räumen und zu der verborgenen Wahrhaftigkeit von Orten, Menschen und Situationen vorzudringen.