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Ausstellung in Saarlouis
Zu Farbe gewordene Poesie

Roger Bertemes (1927 bis 2006) bei der Arbeit.
Roger Bertemes (1927 bis 2006) bei der Arbeit. FOTO: Institut für aktuelle Kunst
SaarLOUIS. Das Zentrum für Künstlernachlässe in Saarlouis zeigt Tuschezeichnungen des Luxemburger Künstlers Roger Bertemes. Von Bülent Gündüz

Es gibt nur wenige Künstler, bei denen Malerei und Wort so nahe beieinanderliegen, wie bei dem Luxemburger Maler und Lyriker Roger Bertemes (1927–2006). So ist eines seiner Gedichte eine wunderbare Anleitung zum Schauen: Solltest Du dem Weisen begegnen/ so schweige/ und lausche/ seinem Schweigen. „Lauschen“ muss man im Saarlouiser Forschungszentrum für Künstlernachlässe zwar mit den Augen, aber die Tuschezeichnungen sind so kontemplativ, dass man augenblicklich darin versinkt und von einer inneren Ruhe gefangen genommen wird.


Dass dies so ist, liegt vor allem an Bertemes‘ virtuosem Umgang mit dem Material. Ausgestellt sind Tuschezeichnungen aus dem Bestand der beiden Söhne des Künstlers, welche die Schau reich bestückt haben. Der Luxemburger, der als einer der bekanntestes zeitgenössischen Künstler des Herzogtums gilt, arbeitete vor allem mit schwarzer Tusche, die er auf gewässertes China­papier aufbrachte und so nahezu beliebige Grauabstufungen erzielen konnte. Mit kräftigem Rot, Gelb oder Blau setzte er dann sparsam Kontrapunkte.

Bertemes blieb in den Zeichnungen stets im Abstrakten verhaftet und doch meint man, Landschaften zu erkennen. Auch Sonnenuntergänge, verregnete Felder, Menschen und Dörfer macht das Auge aus. Mit kurzen Gesten aus wenigen, oft dicken Pinselstrichen brachte der Künstler die Farbe auf das Papier. Spritzer und Tropfen suggerieren Emotion und Bewegung. Immer wieder zerschneiden scharfe Linien den Bildraum.

Es entstanden Bilder, deren Objekte zugleich schwer wirken und doch luftig leicht zu schweben scheinen. Die umrisslosen Gebilde täuschen Tiefe vor und sind doch flach. Manche Bilder wirken dramatisch und bewegt gemalt und doch kippen sie nie aus der Ruhe. Eine innere Gesetzmäßigkeit hält sie in der Balance.

Bertemes’ Bilder sind sehr oft in Werkserien entstanden, oftmals schuf er wohl mehrere am Tag, wie die Datierungen in der Signatur verraten. Keines trägt einen Titel. Um sie zu verstehen, genügt aber auch ein Blick in die Gedichte von Bertemes und man erkennt: Gerade die Tuschezeichnungen sind Farbe gewordene Poesie. Angesichts der eher selten gezeigten Arbeiten sollte man sich diese Ausstellung also nicht entgehen lassen.



Die Ausstellung im Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis (Choisyring 10) läuft bis zum 29. März. Di-Fr 14 bis 18 Uhr.

Eine Tuschezeichnung von Roger Bertemes.
Eine Tuschezeichnung von Roger Bertemes. FOTO: Institut aktuelle Kunst