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| 21:01 Uhr

Der „rote Dany“ in Cannes
Wie viel Angst hat Frankreich?

Cannes. Eine Doku von Daniel Cohn-Bendit in Cannes, wo auch ein deutscher Film zu sehen war.

Von Ost nach West, von Nord nach Süd: Tausende Kilometer hat Daniel Cohn-Bendit mit dem Auto zurückgelegt, weil er wissen wollte, wo Frankreichs Gesellschaft 50 Jahre nach dem Mai 1968 heute steht. Dabei hat er sich unter anderem mit Häftlingen, Krankenpflegern, Landwirten, Sozialhilfeempfängern und Unternehmern unterhalten. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, den er jüngst im Wahlkampf unterstützte,  hat er getroffen, in einem Café in Frankfurt. „On the Road in France“ heißt der Dokumentarfilm, den der deutsch-französische Publizist in Cannes in der Reihe „Séances spéciales“ präsentiert hat. Gedreht hat der 73-Jährige zusammen mit dem französischen Regisseur Romain Goupil; beide waren bedeutende Akteure der 68er-Protestbewegung. Zwei Stunden lang lässt der Film Bilder von Migranten in Calais ablaufen und Anhänger der rechtsextremen Front National zu Wort kommen. Frankreich sei ein ängstliches Land, schlussfolgert er, doch man dürfe sich nicht vom umgreifenden Pessimismus anstecken lassen.

Im Wettbewerb hat der Italiener Matteo Garrone mit dem düsteren Film „Dogman“ überrascht. Der Film spielt in einer tristen und rauen Gegend einer Stadt. Marcello ist in der Nachbarschaft beliebt, hingebungsvoll kümmert er sich in seinem Hundesalon um die Tiere. Dann aber drängt sich immer mehr der drogensüchtige Kriminelle Simoncino in sein Leben. Der  wird von allen gefürchtet, doch niemand traut sich, sich ihm zu widersetzen. Irgendwann muss Marcello erkennen, dass er nicht immer nachgeben kann. Hauptdarsteller Marcello Fonte überzeugt dabei als naiver Familienvater, der wegen seiner Gutmütigkeit alles verliert, was er hat. Nicht nur italienische Zuschauer erkannten in der Geschichte eine Metapher für das Verhältnis der Italiener zu ihrem Staat.

In der Nebenreihe „Un Certain Regard“ stellte der Deutsche Ulrich Köhler „In my room“ vor. Er erzählt  von einem Mann, der seine sterbende Großmutter besucht. Auf einmal aber ist alles anders: Die Menschen sind verschwunden, Armin (gespielt von Hans Löw) ist scheinbar der einzige Überlebende. Köhler, der Lebensgefährte von Maren Ade („Toni Erdmann“), inszeniert den ersten Teil des Films auf sehr realistische Weise und mit pointierten Alltags-Beobachtungen. Dann wird es zunehmend surreal und traumähnlich.