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Saarländischer Buchhandel
Wie die nicht rosige Lage besser werden soll

Saarbrücken. Wie steht es um den Buchhandel an der Saar? Von Udo Lorenz

(ulo) Vom Bestseller-Roman über Regionalliteratur bis hin zur neuen Kramp-Karrenbauer-Biographie: Die Saarländer kaufen aktuell im Schnitt deutlich mehr Bücher als die meisten anderen Deutschen. Doch auch hierzulande muss die Branche mit ihren 70 meist inhabergeführten Buchhandlungen und zehn heimischen Verlagen hart kämpfen, um im Online-Zeitalter gegen die wachsende Konkurrenz von Smartphone, Laptop und Digitalisierung zu bestehen.


Das zeigte eine von viel Fachpublikum besuchte Vortragsveranstaltung der Unionstiftung am Dienstagabend in Saarbrücken. „Hat die Buchbranche noch eine Zukunft ?“  lautete die Frage, zu der die für das Saarland zuständige Geschäftsführerin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Stefanie Brich (Wiesbaden/Mainz) Stellung nahm. Ob es ein gutes oder schlechtes Bücherjahr 2018 wird, entscheidet sich nach ihrer Darstellung erst im Dezember – dem Monat mit dem mit Abstand höchsten Jahresumsatz.

Die nicht gerade rosige Ausgangslage, die Brich anhand einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag des Börsenvereins einmal mehr skizzierte, sieht so aus: Deutschlandweit ist die Zahl der Bücherkäufer (unter ihnen 60 Prozent Frauen) auf den tiefsten Stand seit langem gesunken. Dennoch: 29,6 Millionen Käufer (minus 4,1 Prozent) haben im Vorjahr (auch dank Fach- und Schulbüchern) für einen Gesamtumsatz von 9,1 Milliarden Euro (minus 1,6 Prozent) gesorgt. Doch im Schnitt ist der Buchkäufer von heute 50 Jahre alt, gibt elf Euro pro Buch und 137 Euro im Jahr aus. Fast die Hälfte des Umsatzes wird in Sortimentsbuchhandlungen gemacht. „Der Internethandel wächst gar nicht mehr so stark, mehr floriert das Direktgeschäft der Verleger“, betonte die Buchwissenschaftlerin. Ihre größte Sorge: Schüler und Jugendliche greifen immer weniger zu Büchern. Jedes neunte Mädchen und mehr als jeder fünfte Junge im Teenie-Alter liest gar nicht mehr.



„Das Buch muss wieder mehr in den Alltag rücken, damit Leute über Bücher reden“, forderte Brich: „Und es muss zum Konsumenten kommen – vom youtube-Kanal bis hin zu neu entstehenden Buchclubs“. So könne das Buch auch als Ruhepol in der Internetwelt reüssieren. Dazu bedürfe es aber über Buch-Cafés oder Buch-Wein-Offerten hinaus noch mehr Eventcharakter-Angebote der Händler. Hier lobte die Börsenverein-Sprecherin das Saarland, das auf dem Buchmarkt stabile Zahlen aufweise und mit Unterstützung von Kultusministerium, Medien und Stiftungen bei vielen Veranstaltungen Bücher sichtbar mache. Zudem stelle es überdurchschnittlich viele Preisträger im bundesdeutschen Buchhandlungswettbewerb.

Wie aktiv und vielseitig die Saar-Buchhändler sein können, zeigte etwa dieses Jahr Bücher König in Neunkirchen mit einer Künstlerinnen-Vernissage „bunt, weiblich, nackt“ oder auch Lesungen wie „Lenchen Demuth und Karl Marx“. Unterdessen, so Börsenverein und Branchenvertreter, laufen bereits die Vorbereitungen für die zweiten Literaturtage „Erlesen“ im Saarland vom 30. März bis 13. April 2019 mit über 30 Autorenlesungen, für die in Kürze der Ticketverkauf beginnt.