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Ophüls-Preis: Gespräch mit den Regisseuren der Doku „Global Family“
Wer suchet, der wird irgendwann gefunden

Saarbrücken. Begegnung mit den Regisseuren der Wettbewerbsdoku „Global Family“, Melanie Andernach und Andreas Köhler. Von Christoph Schreiner
Christoph Schreiner

Eine Woche vor der Saarbrücker Uraufführung saßen Melanie Andernach und Andreas Köhler, Regisseure von „Global Family“, mit den Protagonisten ihrer Wettbewerbsdoku in deren Bonner Wohnung, um ihren fertigen Film zu zeigen. Und vorgestern dann das Ganze noch einmal – im Cinestar sah die Familie ihn auf der großen Leinwand. Shaash, das „Familienoberhaupt“ ihrer somalischen Flüchtlingsgeschichte, sei glücklich und zutiefst gerührt gewesen. „Er hatte keinerlei Einwände“, meint Köhler. „Und wir waren glücklich, ihm und der Familie etwas zurückgeben zu können“, schiebt Andernach nach.



Ihr Thema hatten beide, sie eigentlich Produzentin und er Kamermann von Haus aus, über Umwege gefunden. Bei Dreharbeiten in Kanada erfuhr Köhler vom Los somalischer Bürgerkriegsflüchtlinge und erzählte Andernach davon. Als sie dann bei einem von Shaash organisierten Fußballturnier für in NRW lebende somalische Clans auf der Suche nach „der richtigen Familie“ (Andernach) waren, sprach Shaash sie an und erzählte ihnen seine eigene Geschichte. Das war die Geburtsstunde ihrer Doku „Global Family“, die das Leben seiner zwischen Adis Abeba, Mailand und Bonn verstreuten Familie einfängt – und den (zuletzt scheiternden) Versuch, die in Äthiopien lebende Mutter Shaashs und seiner beiden Brüder nach Deutschland zu holen.

Früh hatten Köhler und Andernach für ihr Projekt das ZDF (mit seiner verdienstvollen Redaktion „Das kleine Fernsehspiel“) mit im Boot und konnten auf ein Budget von 350 000 Euro zurückgreifen. Entsprechend professionell wirkt ihr subtiler, ohne Sozialromantik auskommender Film, der die Familie (und deren Binnenkonflikte) über zwei Jahre hinweg begleitet und ihr dabei mit der Kamera so nahe kommt, dass Köhler sich im Nachhinein selbst fragt, „inwieweit sie uns im Lauf der Zeit noch wahrgenommen haben“. Anfangs hatten sie immer einen Dolmetscher dabei. Später machten sie ohne weiter, um mehr Intimität zu gewinnen. Im April oder Mai wollen sie „Global Family“ in ausgesuchten Kinos zeigen und „selbst dabei sein“ (Andernach), kurz danach wird er wohl auf Arte und später im ZDF laufen – ein seltener Glücksfall. Nun in Saarbrücken mit gleich zwei Filmem im Wettbewerb zu stehen (Andernach ist zugleich Produzentin des Spielfilms „1000 Arten Regen zu beschreiben“, den Köhler fotografiert hat) sei der nächste, machen beide klar. „Gemischte Festival wie Ophüls, wo es neben einem Spielfilm- auch ein Doku-Wettbewerb gibt, kennen wir sonst nicht.“ Da säßen dann auch Leute im Saal, die nicht auf Dokus abonniert sind, sagt Andernach. Dass sie einen Preis gewinnen können, daran wollen sie nicht denken – preiswürdig aber wäre ihre Doku.

Sa: 12.30 Uhr, CS 4; So: 16 Uhr, CS 5.