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Wenn mehr Atmosphäre wäre

Homburg. Weltbekannte Musiker beim 1. Homburger Meisterkonzert. Und doch wollte der Funke nicht recht überspringen – die kühle Nüchternheit des Saalbaus störte. Hans Bünte

"Und jedermann erwartet sich ein Fest", heißt es im "Faust". Das passt zum 1. Homburger Meisterkonzert - denn mit dem Cellisten Gautier Capuçon und dem ebenbürtigen Pianisten Frank Braley waren zwei weltweit bekannte Musiker angekündigt. Und dazu auch noch ein reines Beethoven-Programm.



Zunächst lief alles wie erwartet. Bei den einleitenden Variationen über Händels "Judas Maccabäus" begeisterte der Pianist mit rundem Klavierklang und brillanter Technik, ehe der Cellist in der 7. Variation mit seinen Triolen nachziehen konnte und für jede weitere Variation seinem prachtvollen Goffriller-Cello andere Klangfarben entlockte. In der folgenden F-Dur-Sonate op. 5/1 beeindruckten die beiden Musiker im perfekten Zusammenspiel durch eine intelligente Balance zwischen Wichtigem und nur Begleitendem und durch die ebenso lakonische wie muntere Darstellung des 2. Satzes. Die Variationen über "Ein Mädchen oder Weibchen" gerieten zu mal tragikomischen, mal übermütigen Miniaturporträts Papagenos, der wohl differenziertesten Figur aus Mozarts "Zauberflöte". Eine reife und ernste Interpretation der Sonate op. 69 folgte.

Die als Zugabe spendierte "Meditation" von Massenet wirkte danach ungeachtet aller tonlicher Delikatesse nur als das, was sie letztlich ist: eine Wunschkonzert-Schnulze. Warum aber konnte man dem einleitenden "Faust"-Zitat nicht den zugehörigen Satz anfügen: "Und jeder geht zufrieden aus dem Haus"? Weil das ganze Konzert von einer gewissen Kühle geprägt war, von einer Distanz, die diese beiden Ausnahmekünstler hinderte, die international gewohnte Begeisterung auszulösen. Und das lag an der deprimierenden Nüchternheit des Saalbaus. Ein Neubau ist zu teuer, klar. Aber schon ein gekonntes Lichtkonzept würde helfen. Und das wäre dem hochkarätigen Angebot der Meisterkonzerte angemessen.