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Wenn ein Liebesdrama mit einem Autorennen beginnt

Eine Liebe, die nicht sein darf: Simeon (Akuhata Keefe) verliebt sich in Poppy (Yvonne Porter), die aus einem rivalisierenden Clan stammt.
Eine Liebe, die nicht sein darf: Simeon (Akuhata Keefe) verliebt sich in Poppy (Yvonne Porter), die aus einem rivalisierenden Clan stammt. FOTO: Prokino
Mit „Die letzte Kriegerin“ präsentierte der Neuseeländer Lee Tamahori 2004 ein furioses Debüt. Es folgten der Bond-Film „Stirb an einem anderen Tag“ und der plumpe Actionfilm „xXx 2 – The Next Level“. Nun kehrte Tamahori in seine Heimat zurück, um abermals ein Familiendrama zu inszenieren: „Mahana – Eine Maori-Saga“, ein Familiendrama, das in den 1950ern spielt. SZ-Mitarbeiter Dieter Oßwald hat mit dem Regisseur gesprochen. red

In einer Szene Ihres neuen Films schauen sich die Helden im Kino einen Western an, und plötzlich reitet ein Pferd durch den Saal - wie kommt man auf so etwas?



Tamahori: Das habe ich als Kind einmal tatsächlich so erlebt. Plötzlich kamen Männer auf Pferden ins Kino, die ein Chaos auslösten. Es war zum Brüllen komisch. Es ist zudem eine kleine Referenz an den Western, schließlich ist unser Film ja ganz im Stil dieses Genres gedreht.

In einer zentralen Szene wehrt sich der junge Held dagegen, dass in den 1960er Jahren die Sprache der Maori vor Gericht nicht erlaubt ist. Wie steht es heute um die Akzeptanz der Ureinwohner?

Tamahori: In Neuseeland wird gerne so getan, als würde es Rassismus hier nicht geben. Es gab zwar nie eine Rassentrennung wie im Amerika der 60er Jahre, dennoch war die Sprache der Maori in der Schule oder vor Gericht beispielsweise nicht akzeptiert. Die Statistik zeigt eindeutig, dass es Maori und Polynesiern wirtschaftlich viel schlechter geht als dem Rest der Bevölkerung und sie durchschnittlich eine geringere Bildung haben.

Fühlt man sich als Künstler wohler bei solch einem ambitionierten Projekt als bei einer Action-Fortsetzung aus Hollywood?



Tamahori: Nein, eigentlich nicht. Ich glaube, man hat ein falsches Bild davon, wie Hollywood-Studios arbeiten. Auf gewisse Weise ist es einfacher, einen Studio-Film zu drehen, weil man viel Geld zur Verfügung hat. Das Problem entsteht erst nach den Dreharbeiten durch die Testvorstellungen, die von den Studios enorm wichtig genommen werden. Wenn das Publikum dabei anders reagiert als erwartet, wird man gezwungen, den Film umzuschneiden oder gar Szenen nachzudrehen.

Die Eröffnungsszene Ihres Film bietet ein rasantes Autorennen zweier verfeindeter Familien zu einer Beerdigung - Dabei fühlt man sich fast ein wenig an James Bond erinnert. . .

Tamahori: Im Roman kommt dieses Autorennen erst später vor, aber ich fand das als Eröffnungssequenz eine überzeugendere Idee - meines Wissens wurde damit bislang noch kein Drama begonnen. Der große Vorteil bei solch einem Einstieg besteht darin, dass man die Zuschauer damit vom ersten Moment an fesseln kann.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf Ihre Zeit als James Bond-Regisseur zurück?

Tamahori: Bond war körperlich und geistig zwar sehr anstrengend, aber es war eine großartige Zeit - die schönste Erfahrung, die ich als Regisseur je hatte.

Sie kümmern sich derweil in Ihrem nächsten Projekt "Emperor" um Martin Luther und haben dafür Thomas Kretschmann als Jakob Fugger engagiert. Werden Sie dazu in Deutschland drehen?

Tamahori: Wir wollten in Deutschland drehen. Doch schließlich fiel die Wahl auf Belgien und Tschechien, weil dort die Subventionen einfach attraktiver sind. In Deutschland muss man genau angeben, wie viel Geld wofür ausgegeben wird und welche Leute eingestellt werden sollen - das konnten wir vorab nicht sagen. In Tschechien kann man drehen, wie man möchte.

Der Film startet morgen in der Camera Zwo (Sb), Kritik in unserer Beilage treff.region.

Zum Thema:

Auf einen Blick Morgen startet in vielen Kinos das 3D-Spektakel "Ben Hur", Neuverfilmung des Oscar-gekrönten Monumentalfilms mit Charlton Heston aus dem Jahr 1959. Auch das Filmhaus (Sb) zeigt ein Remake: "Belladonna of Sadness", ein Kultfilm um Sex, Satanismus, Hexerei und Jeanne d'Arc von 1973. Dort läuft auch "1001 Nacht - Der Entzückte", dritter Teil einer Trilogie von Miguel Gomes. "König Laurin" (Cinestar Sb) ist ein sehenswerter Fantasy-Film (Kritiken morgen in treff.region) red